Pornografie in der Öffentlichkeit

Ich lese gerade den Text Zensur vs. Anstand: Pornografie in der Bibliothek von der ganz zauberhaften Jillian C. York, in dem die Geschichte aufgegriffen wird, wie in einer Bibliothek in Los Angeles sich ein Obdachloser beim Anschauen eines Pornos, sagen wir mal: einen schönen Tag machte. Und für die Amis war jetzt anscheinend der Umstand, dass da ein Porno in einer Öffentlichen Bibliothek lief, schlimmer als das andere.

York findet es nun irgendwie nicht gut, dass in Bibliotheken Pornos laufen, was mir irgendwie eher egal ist. Mir ist aber etwas ähnliches passiert. Nicht wie Sie jetzt denken. Ich lief diese Woche an einer Lokalität vorbei, in der auch das Benutzen von Computern mit Internetzugang angeboten wird. Im Vorbeigehen huschte mein Blick über den Monitor einer dieser Computer, der gerade in Benutzung war. Und eben da lief, tja, also das muss eine Live-Gynäkologie-Untersuchung gewesen sein. Der Betrachter machte sich zwar jetzt nicht so einen schönen Tag wie der Obdachlose, aber es schien immerhin so interessant zu sein, dass man Kopfhörer dazu braucht.

Ich weiß jetzt nicht, ob ich es merkwürdiger finden soll, dass da jemand mit derartigen Vorlieben, so intelligent ist, dass er einen PC-Sitzplatz nimmt, der von im offenen Blickfeld einer Fussgängerzone ist, oder dass es mir überhaupt merkwürdig erscheint. Kabinen sind wohl einfach nicht mehr in.

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Neuer Online-Auftritt der Westfälischen Nachrichten

Auch die WN hat ihren Internetauftritt umgestellt und kommt mit einem Baukastensystem, dass auch schon von der IVZ-Seite her bekannt erscheint. Auch hier ist der Leser ohne Werbeblocker ziemlich verloren: Anzeigen, Texte und Verweise sind irritierend zusammengeklatscht. Also nichts wie den Werbeblocker wieder eingeschaltet, dann geht’s. Und hoppsala: Im Gegensatz zur IVZ schafft es die WN, am Werbeblocker vorbei lokale Werbung zu platzieren. Sehr gut ;-).

Die Ibbenbüren-Seite ist aber ebenso lieblos: Es bietet nichts weiter als die Links der IVZ und noch nicht einmal die aktuellen, sondern quasi alle, inklusive irgendwelcher schon überarbeiteter Artikel-Versionen. Da sollte man die Rubrik lieber gleich löschen – was aber vielleicht eh passiert, wenn die IVZ hinter einer Bezahlschranke verschwindet.

Merkwürdig ist der Schriftartenmischmasch: Als Schriftart für das Navigationsmenü kommt auch hier Verdana zum Einsatz, was aber sehr trennunscharf aussieht. Artikelanpreiser sind in Arial, Artikelkleinüberschriften auch oder in noch einer anderen Schriftart, die Überschriften der Texte dann in Georgia, wenn ich das gerade auf den ersten Blick richtig sehe. Zusammen mit immer noch zu großen Grafiken, zu lang angeteaserten Texten, zu vielen Texten und zu raumgreifenden Artikelplatzierungen ist der Auftritt der WN sehr mausschiebelastig und unübersichtlich. Und das sage ich schon bei weggefilterter Werbung, für die es – wie bei der IVZ – eh kein ausgereiftes Konzept auf der Seite gibt.

Positiv fällt noch auf, dass der Leser nirgends angenörgelt wird, sondern über ein Erklärbär-Video zur Seitenbenutzung animiert wird, dass es keine Baby-, Trauer- und Grüßecke gibt, dagegen eine Immobilien-,Motorisiertes- und Gedöhns-Ecke. Durch den Verzicht mobiler Grafikelemente wirkt die Seite angenehm ruhig, aber auch etwas behäbig: Viele aktuelle Inhalte können nur durch längeres Klicken erreicht werden und da ist es schon etwas hinderlich, dass die Navigation nicht on the fly, sprich bei Mausberührung selbständig aufklappend, funktioniert.

Also: Ausbaufähig, was aber auch niemand in Frage gestellt hat. Mehr Mut zu Leserfreundlichkeit, mehr Gedanken bei Werbeeinbindungen und vielleicht ein paar dpa-Texte weniger – das würde schon helfen.

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Gebrochen Deutsch

Ges­tern waren wir bei der zwei­ten Talk­runde von Staf­fan Val­de­mar Holm mit Vom Rit­chie (Groß­bri­tan­nien, Schlag­zeu­ger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jas­tram (Japan, Musik-Lehrerin), Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kah­kash (Iran, Büdchen-Inhaber) dar­über, wie man in Düs­sel­dorf stran­det und wieso man es inzwi­schen mag. Das For­mat ist sowas wie ein Selbst­läu­fer. Man bekommt schw­ere wie auch lus­tige Geschich­ten über die Auf­brü­che in die Fremde zu hören. Man lernt lebens­lus­tige Men­schen ken­nen, an denen man sonst viel­leicht ein­fach nur vor­bei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düs­sel­dorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publi­kum kam die ver­suchte Erklä­rung: “Clau­dia Schif­fer.”, wor­auf­hin Holm meinte: “Das kann es nicht sein.”

Viel­leicht gibt es nicht sol­che Gründe, viel­leicht gibt es nur die geleb­ten Erfah­run­gen, die alle Gäste vor­zu­wei­sen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höf­lich wie offen sind, wenn es um die Geschich­ten der ande­ren geht. Vom Rit­chie erzählt, wie er mit sei­ner Locker­heit stu­ren Münch­ner Poli­zis­ten begeg­net, die seine abge­lau­fene Auf­ent­halts­er­laub­nis mit “Scheiße, Scheiße, Scheiße” kom­men­tie­ren. Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner beschreibt, wie sie ohne irgend­wie deutsch zu kön­nen nach Deutsch­land kommt, und dort ihr ers­tes Date mit einem Taschen­wör­ter­buch bewäl­tigt. Kyoko Jas­tram erzählt über die musi­ka­li­sche Größe Deutsch­lands, die vor Ort doch etwas anders aus­sieht. Und Iraj Farzi Kah­kash berich­tet dar­über, wie er im Iran die Revo­lu­ti­ons­be­stre­bun­gen unter­stützt hat, Krieg mit­er­lebt hat und schließ­lich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleu­ser in West-Berlin aus­ge­setzt wird – ohne die Spra­che zu kön­nen oder irgend­je­man­den zu ken­nen.

Also ein ganz groß­ar­ti­ges For­mat, das Holm da aus dem Ärmel geschüt­telt hat, und bei dem an die­sem Abend auf­fiel, dass weder der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Inte­gra­tion” ein ein­zi­ges Mal gefal­len ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düs­sel­dor­fer Publi­kum das Klat­schen bei­zu­brin­gen, ist ihm ein Denk­mal sicher.

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Gebrochen deutsch, Düsseldorfer Schauspielhaus, 23.1.2014

Ges­tern waren wir bei der zwei­ten Talk­runde von Staf­fan Val­de­mar Holm mit Vom Rit­chie (Groß­bri­tan­nien, Schlag­zeu­ger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jastram (Japan, Musik-Lehrerin), Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kah­kash (Iran, Büdchen-Inhaber) dar­über, wie man in Düs­sel­dorf stran­det und wieso man es inzwi­schen mag. Das For­mat ist sowas wie ein Selbst­läu­fer. Man bekommt schwere wie auch lus­tige Geschich­ten über die Auf­brü­che in die Fremde zu hören. Man lernt lebens­lus­tige Men­schen ken­nen, an denen man sonst viel­leicht ein­fach nur vor­bei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düs­sel­dorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publi­kum kam die ver­suchte Erklä­rung: “Clau­dia Schif­fer.”, wor­auf­hin Holm meinte: “Das kann es nicht sein.”

Viel­leicht gibt es nicht sol­che Gründe, viel­leicht gibt es nur die geleb­ten Erfah­run­gen, die alle Gäste vor­zu­wei­sen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höf­lich wie offen sind, wenn es um die Geschich­ten der ande­ren geht. Vom Rit­chie erzählt, wie er mit sei­ner Locker­heit stu­ren Münch­ner Poli­zis­ten begeg­net, die seine abge­lau­fene Auf­ent­halts­er­laub­nis mit “Scheiße, Scheiße, Scheiße” kom­men­tie­ren. Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner beschreibt, wie sie ohne irgend­wie deutsch zu kön­nen nach Deutsch­land kommt, und dort ihr ers­tes Date mit einem Taschen­wör­ter­buch bewäl­tigt. Kyoko Jastram erzählt über die musi­ka­li­sche Größe Deutsch­lands, die vor Ort doch etwas anders aus­sieht. Und Iraj Farzi Kah­kash berich­tet dar­über, wie er im Iran die Revo­lu­ti­ons­be­stre­bun­gen unter­stützt hat, Krieg mit­er­lebt hat und schließ­lich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleu­ser in West-Berlin aus­ge­setzt wird – ohne die Spra­che zu kön­nen oder irgend­je­man­den zu ken­nen.

Also ein ganz groß­ar­ti­ges For­mat, das Holm da aus dem Ärmel geschüt­telt hat, und bei dem an die­sem Abend auf­fiel, dass weder der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Inte­gra­tion” ein ein­zi­ges Mal gefal­len ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düs­sel­dor­fer Publi­kum das Klat­schen bei­zu­brin­gen, ist ihm ein Denk­mal sicher.

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Stummer Schrei nach Liebe

Vor zwei Wochen habe ich ausländische Gäste in Ibbenbüren zum Essen ausgeführt. Auch keine ganz so leichte Aufgabe, diverse Angebote erfüllen nicht ganz den Wunsch nach etwas, was es so oder so ähnlich nicht überall in der Welt gibt. Die Wahl fiel dann auf das Etablissement, was viele als erstes benennen, wenn man einen derartigen Wunsch äußert. Der Abend verlief dann auch ausgesprochen heiter und angenehm. Bis wir die Gaststätte verließen, um noch einen kurzen Spatziergang durch die Stadt zu machen.

Denn auf dem Oberen Markt rannte uns ein kleiner Nazi entgegen, wollte wohl noch provozieren, aber da wir nicht reagierten, wandte er sich irgendwann Schlüssel klimpernd ab. Nichtsdestotrotz – als Gastgeber ärgert man sich über diesen Stempel, den der Abend dennoch bekommen hat.

Denn eigentlich wird man von sowas im Münsterland ja kaum belästigt, die NPD ist hier gefühlt nicht existent. Alltagsrassismus? Sicher vorhanden, aber immer noch ausreichend Gegenstimmen.

Aber man muss sich vielleicht in der Provinz davon verabschieden, Rassismus immer nur also lokales Problem aufzufassen. Am Klein-Nazi, der uns da bedrängte, war zu erkennen, dass ihm die Innenstadt zumindest etwas fremd war, weswegen er sich schließlich in eine Gasse verabschiedete, die sonst niemand einschlagen würde. Gibt es also eine Art Tourismus, sich dort rebellisch aufzuführen, wo man kaum auf Widerstand trifft, wenn andernorts der Widerstand zu groß ist? Hoffentlich nicht, man wird es aber im Auge behalten müssen.

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PC Spezialist sucht Dieb über Facebook

Ziemlich dreist hat sich am vergangenen Mittwoch ein Dieb in der Ibbenbürener Innenstadt verhalten, der einfach in einem Computerladen ein Laptop in seine Tragetüte steckte und dann verschwand. Ziemlich humorvoll dagegen die Reaktion des Händlers: Er sucht auf Facebook nach diesem „Kunden, der vergessen hat zu bezahlen“ und der sich auch noch Akku und Netzteil abholen könnte.

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Werbehaltiges

Weil ich ja eigentlich immer einen Werbeblocker in meinem Browser anhabe, deswegen angenehm wenig Werbung sehe und dazu mein Browser einfach alle aufpoppsollenden Fenster nicht aufpoppen lässt, habe ich mich mal gefragt, wie das Internet eigentlich ohne Werbe- und Popup-Blocker aussieht. Eine Seite für werthaltige Produkte sieht z.B. so aus:

Was man jetzt nicht so mitbekommt: Dauernd huscht irgendwas von hier nach da und die Anzeigen geben auch ab und an Töne von sich. Bitte kaufen Sie ein Abonnement, sonst schalten die da noch mehr Werbung.

P.s. Das richtig Lustige ist ja, dass der Werbeblocker auf dieser Seite neben Textbausteinwerbung innerhalb von Textbausteinen auch die Werbung lokaler Unternehmen erkennt und blockt. Das kann eigentlich nur daher kommen, dass die Werbeblocks mit Werbewörtern deklariert wurden, denn die Grafiken und Animationen selbst sind wohl nicht in der Datei, die der Werbeblocker berücksichtigt, enthalten.

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Bescheuerung

Joooooooh, gerade noch mal gut gegangen. Ich habe mich eben nach meinem Mittagsbier inne Stadt noch rechtzeitig auf meinen Drahtesel geschwungen, um vor dem Regen nach Hause zu kommen. Das ist manchmal ein doch schon knappes Rennen. Aber was ich fragen wollte: Sind Sie eigentlich in letzter Zeit schon mal mit offenen Augen auf dem Weg aus der Stadt gewesen?

Wenn, dann würde Ihnen was auffallen. Da latscht einer nach dem andern zu Fuß mit seinem Handy in der Hand und Stöpsel im Ohr her und spielt rum. Und wenn Sie jetzt fragen: Ja, was machen die denn da? Da gibt es schon einen Begriff für. Das muss die Industrie erfunden haben, anders kann man sich das nicht vorstellen.

Wenn so ein Jüngling sich so die Plastikknöpfe ins Ohr dreht und ununterbrochen auf seinem Handy rumditscht, dann nennt man das erweiterte Realität. Da könnense sich dann, wenn Sie vor lauter aufs Handy gucken gegen einen Laternenpfahl geschmettert sind, gleich den schnellsten Weg zum nächsten Doktor zeigen lassen. Erweiterte Realität! Früher, ja früher musste man noch derbe viel rauchen für, bis dass die Realitiät mal ordentlich erweitert war.

Das geht heute mit so einem Batterie betriebenen Elektroteil. Und wenn Sie mich fragen: Der Bescheuerungsgrad ist derselbe!

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Das neue Viertel

             „Hubert, du glaubst es nicht“,

schrie mir eben meine bessere Hälfte Runhilde entgegen. Kennen Sie das eigentlich? Da wird irgendwo im Haus was gebrüllt und man muss antanzen, sonst wird noch lauter gebrüllt oder man bekommt ein Du hörst ja nich‘ an den Kopp geknallt.

            „Die bauen schon wieder ein neues Viertel!“

Ich muss wohl meinen Klapprechner im Wohnzimmer offen stehengelassen haben, eigentlich kommt mir die Runi da nicht so einfach dran. Früher, ja früher hat die Frauenwelt die Technik ja gar nicht interessiert. Frühstück, Hausputz, Mittagessen, Mittagspause, Einkaufen, Abendessen, Schaufenster am Donnerstag, Show und Co. mit Carlo, Gesundheitsmagazin Praxis und dann ab in die Federn. Das war mal noch ein geregelter Alltag. Heute wird man dauernd unvermittelt in Alarm versetzt, weil Runi sich vom Internet erschrecken lässt.

           „Erst bauense den Wodkahügel, dann Klein-Moskau und nun schon wieder
            was!“

Endlich bin ich in der guten Stube angelangt:

–          „Na, was bauen sie denn?“

           “ Nordstadt-Arkaden.“

–         „Nordstadt-Arkaden? Wo liegt denn Nordstadt?“

            „Dass muss da, wo früher der alte ALDI war, liegen.“

–    „Da hinten raus? Das ist doch noch Ibbenbüren. Dann müsste das  Ibbenbüren-Nordstadtarkaden. sein. Wer baut denn da?“

              „Hier schreibense nur von Ein‘!“

Ein Einziger? Und dann gleich ein ganzes Viertel. Ja, die hamse doch nicht mehr alle. Ich glaube ja sowieso, so wie in Ibbenbüren gebaut wird, da wird zeitweise mehr gebaut als gewohnt. So sieht es doch aus!

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