Morgenkaffee

Gottschalk live ist auf Sendung. Eigentlich macht er ja dasselbe wie ich hier: Die Welt vom Schreibtisch aus kommentieren. Gut, macht der Schmidt auch seit Ewigkeiten, aber der macht ja vorrangig Late-Night, so mit Stand-up am Anfang und vorproduziertem Schnickschnack. Er will jetzt nicht über Wulff, aber über Heidi & Seal reden. Ich rede eher über Wulff und eher nicht über Heidi & Seal. Einfach, weil man nichts über H&S sagen kann, wenn man keine Ahnung hat, was Gottschalk dann auch unter Beweis stellt. Die ersten Verrisse gibt es schon, dabei ist Gottschalks kurzer Abendauftritt durchaus kurzweilig und unterhaltsam, Gottschalks selbst wirkt ehrgeiziger und selbstironischer als bei seiner RTL Late-Night – nur die Anzahl von vier Werbe- und Wetterunterbrechungen, das ist eine absolute Frechheit, liebe ARD.

Judenhass ist in Deutschland alltagstauglich. Das ist der Schluss, den man einer aktuellen Studie gemäß machen könnte.

Und während ich mir die Frage stelle: Wieso ist es Schmidt nie gelungen, sich neu zu erfinden? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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Gestern waren wir bei der zweiten Talkrunde von Staffan Valdemar Holm mit Vom Ritchie (Großbritannien, Schlagzeuger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jastram (Japan, Musik-Lehrerin), Fiorella Falero Ramirez de Entner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kahkash (Iran, Büdchen-Inhaber) darüber, wie man in Düsseldorf strandet und wieso man es inzwischen mag. Das Format ist sowas wie ein Selbstläufer. Man bekommt schwere wie auch lustige Geschichten über die Aufbrüche in die Fremde zu hören. Man lernt lebenslustige Menschen kennen, an denen man sonst vielleicht einfach nur vorbei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düsseldorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publikum kam die versuchte Erklärung: „Claudia Schiffer.“, woraufhin Holm meinte: „Das kann es nicht sein.“

Vielleicht gibt es nicht solche Gründe, vielleicht gibt es nur die gelebten Erfahrungen, die alle Gäste vorzuweisen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höflich wie offen sind, wenn es um die Geschichten der anderen geht. Vom Ritchie erzählt, wie er mit seiner Lockerheit sturen Münchner Polizisten begegnet, die seine abgelaufene Aufenthaltserlaubnis mit „Scheiße, Scheiße, Scheiße“ kommentieren. Fiorella Falero Ramirez de Entner beschreibt, wie sie ohne irgendwie deutsch zu können nach Deutschland kommt, und dort ihr erstes Date mit einem Taschenwörterbuch bewältigt. Kyoko Jastram erzählt über die musikalische Größe Deutschlands, die vor Ort doch etwas anders aussieht. Und Iraj Farzi Kahkash berichtet darüber, wie er im Iran die Revolutionsbestrebungen unterstützt hat, Krieg miterlebt hat und schließlich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleuser in West-Berlin ausgesetzt wird – ohne die Sprache zu können oder irgendjemanden zu kennen.

Also ein ganz großartiges Format, das Holm da aus dem Ärmel geschüttelt hat, und bei dem an diesem Abend auffiel, dass weder der Begriff „Die Toten Hosen“, noch der Begriff „Integration“ ein einziges Mal gefallen ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düsseldorfer Publikum das Klatschen beizubringen, ist ihm ein Denkmal sicher.

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Vor zwei Wochen habe ich ausländische Gäste in Ibbenbüren zum Essen ausgeführt. Auch keine ganz so leichte Aufgabe, diverse Angebote erfüllen nicht ganz den Wunsch nach etwas, was es so oder so ähnlich nicht überall in der Welt gibt. Die Wahl fiel dann auf das Etablissement, was viele als erstes benennen, wenn man einen derartigen Wunsch äußert. Der Abend verlief dann auch ausgesprochen heiter und angenehm. Bis wir die Gaststätte verließen, um noch einen kurzen Spatziergang durch die Stadt zu machen.

Denn auf dem Oberen Markt rannte uns ein kleiner Nazi entgegen, wollte wohl noch provozieren, aber da wir nicht reagierten, wandte er sich irgendwann Schlüssel klimpernd ab. Nichtsdestotrotz – als Gastgeber ärgert man sich über diesen Stempel, den der Abend dennoch bekommen hat.

Denn eigentlich wird man von sowas im Münsterland ja kaum belästigt, die NPD ist hier gefühlt nicht existent. Alltagsrassismus? Sicher vorhanden, aber immer noch ausreichend Gegenstimmen.

Aber man muss sich vielleicht in der Provinz davon verabschieden, Rassismus immer nur also lokales Problem aufzufassen. Am Klein-Nazi, der uns da bedrängte, war zu erkennen, dass ihm die Innenstadt zumindest etwas fremd war, weswegen er sich schließlich in eine Gasse verabschiedete, die sonst niemand einschlagen würde. Gibt es also eine Art Tourismus, sich dort rebellisch aufzuführen, wo man kaum auf Widerstand trifft, wenn andernorts der Widerstand zu groß ist? Hoffentlich nicht, man wird es aber im Auge behalten müssen.

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Ges­tern waren wir bei der zwei­ten Talk­runde von Staf­fan Val­de­mar Holm mit Vom Rit­chie (Groß­bri­tan­nien, Schlag­zeu­ger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jastram (Japan, Musik-Lehrerin), Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kah­kash (Iran, Büdchen-Inhaber) dar­über, wie man in Düs­sel­dorf stran­det und wieso man es inzwi­schen mag. Das For­mat ist sowas wie ein Selbst­läu­fer. Man bekommt schwere wie auch lus­tige Geschich­ten über die Auf­brü­che in die Fremde zu hören. Man lernt lebens­lus­tige Men­schen ken­nen, an denen man sonst viel­leicht ein­fach nur vor­bei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düs­sel­dorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publi­kum kam die ver­suchte Erklä­rung: “Clau­dia Schif­fer.”, wor­auf­hin Holm meinte: “Das kann es nicht sein.”

Viel­leicht gibt es nicht sol­che Gründe, viel­leicht gibt es nur die geleb­ten Erfah­run­gen, die alle Gäste vor­zu­wei­sen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höf­lich wie offen sind, wenn es um die Geschich­ten der ande­ren geht. Vom Rit­chie erzählt, wie er mit sei­ner Locker­heit stu­ren Münch­ner Poli­zis­ten begeg­net, die seine abge­lau­fene Auf­ent­halts­er­laub­nis mit “Scheiße, Scheiße, Scheiße” kom­men­tie­ren. Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner beschreibt, wie sie ohne irgend­wie deutsch zu kön­nen nach Deutsch­land kommt, und dort ihr ers­tes Date mit einem Taschen­wör­ter­buch bewäl­tigt. Kyoko Jastram erzählt über die musi­ka­li­sche Größe Deutsch­lands, die vor Ort doch etwas anders aus­sieht. Und Iraj Farzi Kah­kash berich­tet dar­über, wie er im Iran die Revo­lu­ti­ons­be­stre­bun­gen unter­stützt hat, Krieg mit­er­lebt hat und schließ­lich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleu­ser in West-Berlin aus­ge­setzt wird – ohne die Spra­che zu kön­nen oder irgend­je­man­den zu ken­nen.

Also ein ganz groß­ar­ti­ges For­mat, das Holm da aus dem Ärmel geschüt­telt hat, und bei dem an die­sem Abend auf­fiel, dass weder der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Inte­gra­tion” ein ein­zi­ges Mal gefal­len ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düs­sel­dor­fer Publi­kum das Klat­schen bei­zu­brin­gen, ist ihm ein Denk­mal sicher.

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Ges­tern waren wir bei der zwei­ten Talk­runde von Staf­fan Val­de­mar Holm mit Vom Rit­chie (Groß­bri­tan­nien, Schlag­zeu­ger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jas­tram (Japan, Musik-Lehrerin), Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kah­kash (Iran, Büdchen-Inhaber) dar­über, wie man in Düs­sel­dorf stran­det und wieso man es inzwi­schen mag. Das For­mat ist sowas wie ein Selbst­läu­fer. Man bekommt schw­ere wie auch lus­tige Geschich­ten über die Auf­brü­che in die Fremde zu hören. Man lernt lebens­lus­tige Men­schen ken­nen, an denen man sonst viel­leicht ein­fach nur vor­bei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düs­sel­dorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publi­kum kam die ver­suchte Erklä­rung: “Clau­dia Schif­fer.”, wor­auf­hin Holm meinte: “Das kann es nicht sein.”

Viel­leicht gibt es nicht sol­che Gründe, viel­leicht gibt es nur die geleb­ten Erfah­run­gen, die alle Gäste vor­zu­wei­sen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höf­lich wie offen sind, wenn es um die Geschich­ten der ande­ren geht. Vom Rit­chie erzählt, wie er mit sei­ner Locker­heit stu­ren Münch­ner Poli­zis­ten begeg­net, die seine abge­lau­fene Auf­ent­halts­er­laub­nis mit “Scheiße, Scheiße, Scheiße” kom­men­tie­ren. Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner beschreibt, wie sie ohne irgend­wie deutsch zu kön­nen nach Deutsch­land kommt, und dort ihr ers­tes Date mit einem Taschen­wör­ter­buch bewäl­tigt. Kyoko Jas­tram erzählt über die musi­ka­li­sche Größe Deutsch­lands, die vor Ort doch etwas anders aus­sieht. Und Iraj Farzi Kah­kash berich­tet dar­über, wie er im Iran die Revo­lu­ti­ons­be­stre­bun­gen unter­stützt hat, Krieg mit­er­lebt hat und schließ­lich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleu­ser in West-Berlin aus­ge­setzt wird – ohne die Spra­che zu kön­nen oder irgend­je­man­den zu ken­nen.

Also ein ganz groß­ar­ti­ges For­mat, das Holm da aus dem Ärmel geschüt­telt hat, und bei dem an die­sem Abend auf­fiel, dass weder der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Inte­gra­tion” ein ein­zi­ges Mal gefal­len ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düs­sel­dor­fer Publi­kum das Klat­schen bei­zu­brin­gen, ist ihm ein Denk­mal sicher.

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