Neu im Bücherschrank(29): Garbor Steingart – Die gestohlene Demorkatie

Bild Die gestohlene Zeit wäre ein besserer Titel dieser Neuauflage des doch eher platten Buches Die Machtfrage. Die These des zwischenzeitlichen Handelsblattchefredakteurs der Wahlenthaltung als politischem Statement taugt, was das Wecken des thematischen Interesses betrifft, keine 2 Minuten, da Wahlenthaltung eher Ausdruck des eigenen Desinteresses oder Resignierens ist. Steingart erreicht qualitativ nicht mal die Tiefe einer solchen Einschätzung, sondern plappert effekthaschend, aber wenig gebildet vor sich hin.

Weiterlesen

Planung eines rechten Schulungszentrums im Münsterland

Die Lokalzeit Münsterland berichtet über Planungen bezüglich eines rechten Schulungszentrums im Münsterland im Umkreis der Partei Die Rechte. Es wird bezweifelt, dass die finanziellen Möglichkeiten hierzu gegeben sind, aber das Ansinnen wird ernst genommen.

Die Gruppe ist neben einer anonymen Internetseite unter Facebook aktiv, dort fand ich unter den Gefälltmirern aber auf Anhieb nicht einmal eine einzige Person aus dem Münsterland. Wohl eher eine Luftnummer.

Weiterlesen

Bundestagscopyundpaste

Mir hat mal jemand von der SPD erzählt, ich solle das mit der Meinungsfindung von Mandatsträgern bloß nicht zu ernst nehmen. Das verhalte sich so: Da kommt morgens ein Fax rein und dann weiß man, was für eine Meinung man zu haben hat.

Dieter Jasper war mal so freundlich und hat quasi genau so ein Fax online gestellt – und seinen Namen drunter gesetzt. Als ob er da irgendwas dran geschrieben hätte. Andere bemühen sich da wenigstens etwas.

Das richtig Peinliche an dieser Erklärung ist, dass ganze Sätze aus der Erklärung der Grünen zum Antrag gegen die Wasserprivatisierung übernommen werden, wobei die CDU gegen diesen Antrag stimmt – auch wenn man natürlich inhaltlich gänzlich dafür ist. Die geben sich nicht einmal mehr Mühe beim Wählerverarschen.

Weiterlesen

Bi us … de niege Footgängerzone

Watt les ik daor in de Kaasblatt? De Footgängerzone van Büren wullt umstaltet wern un niege Steene kregen. Hefft ji de niege Steene van´t vorleest Jaohr Kermes weer schier kregen?
Ik heb hinten up´n Hoff een Fuder ole Steene liggen. Künnt ji wull hebben!
Dann kan ik de niege Steene, de för de Footgängerzone wern, biäter för mien niege Swienestall un de Siloplatte nehmen, die ik up de Plaggen van Overmeyer bouen wull. De ole Steene, die doar liggen, wullt ik als Ünnergründ maken un dann kan ji up de Plaggen plastern! Een niege Swienestall in de Innenstadt van Büren is biäter dan die Huus van de Holländer. Dat ward eh nix wern. Kan ik auk biäter integreern in de Stadtbeeld. De Dong van de Swiene kan ik ja doar de Kiörtelbiäke loopen laten … wern de niege Steene auk schier van.

Weiterlesen

Neu im Bücherschrank(28): David Safier – Mieses Karma

DSCF8035

Dass auf solche Schinken „Bestseller“-Aufkleber draufgepappt wird, hat halt nichts mit der Qualität, sondern eher mit den quantitativen Verkaufszahlen zu tun.

Vom Sprachniveau her ist das Werk zwar nicht sonderlich schlecht, aber gänzlich unüberraschend und seicht geschrieben. Man muss nicht nachdenken, wenn man das liest. Wenn man gar die Buchdeckelbeschreibung liest, kann man an jeder Stelle des Buches einsteigen und weiß nach wenigen Sekunden, an welcher Stelle der Geschichte man sich gerade befindet. Wer’s braucht.

Weiterlesen

Neu im Bücherschrank(27): Deborah Tanner – Laß uns richtig streiten

DSCF8031

Tja, mit so massentauglichen Allgemeinratgebern verhält es sich halt immer ähnlich: Da werden ohne sauere Arbeitsweisen wilde Spekulationen als allgemeine Wahrheiten verkauft. Oder wie eine Kollegin der Autorin kritisiert:

Tannens Buch, sagt Freed, „festigt gleichzeitig negative Stereotypen von Frauen, entschuldigt Männern ihre interaktiven Verfehlungen und verzerrt durch Unterlassen das angesammelte Wissen unserer Disziplin.“ Während Tannen tatsächliche Feststellungen eines Forschers bezüglich der Entwicklung der sprachlichen Interaktion zwischen Kindern genau zitiert, benutzt sie diese, um mit den Begriff des intrinsischen Unterschieds zwischen den Geschlechtern zu unterstützen, während die eigentliche Forschung mehr Gemeinsamkeiten findet. Ihre lesenswerten Anekdoten unterstützen ungerechtfertigte Verallgemeinerungen, die ethnische Unterschiede nicht berücksichtigen. „Für mich als amerikanische, jüdische Frau, die mit einem irisch-amerikanischen Mann verheiratet ist“, sagt Freed, “ stehen die Konstellation der Gesprächspartnermerkmale, mit denen ich lebe, völlig im Widerspruch mit den von Tannen beschriebenen.“ Sie weist auch darauf hin, dass Männer und Frauen in der Lage sind, miteinander recht gut zu kommunizieren, wenn sie miteinander umgehen.

Es ist also keine fachgerechte Analyse individuellen Verhaltens, auch keine spielerische Heranführung an kommunikative Verhaltensweisen, sondern Auf-Gut-Glück-Spekulation. Dennoch war das Buch innerhalb weniger Tage aus dem Bücherschrank wieder verschwunden. Gute Unterhaltung.

Weiterlesen

Karl-Josef Laumann über die Homo-Ehe

Du, weißt, dass du eine Debatte verloren hast, wenn du so etwas von dir geben musst:

Die CDU fördert demnach Familien, aber nicht Sexualität? Versuchen Sie einmal, einen Satz zu formulieren, der mit all seinen Implikationen noch lächerlicher klingt.

Ich meine, irgendwie ist ja das Weltbild sympatisch, dass man grundsätzlich erst einmal davon ausgeht, dass Sexualität und Ehe grundverschiedene Dinge sind, die nichts miteinander zu tun haben. Viele, die heiraten, werden ja von dieser Sachlage völlig überrascht.

Aber wie zum Teufel sollte dass denn aussehen, wenn man Sexualität fördern würde? Indem man Schwulen einen 10er in den Slip steckt? Laumann hat übrigens direkt nach dieser Stellungnahme vor der ZDF-Kamera das einzig Richtige gemacht: Die Füße in die Hand genommen und einen polnischen Abgang hingelegt. Zu so einer Aussage will man ja auch nicht freiwillig noch befragt werden. Das wird nur noch peinlicher.

Weiterlesen

Wie die IVZ Plagiate einbaut

Angeblich befürwortet auch die IVZ das Leistungsschutzrecht für Presseverleger, wobei ich nicht weiß, worauf diese Liste beruht. Dazu will nicht ganz passen, wie die IVZ scheinbar online Plagiate als eigene Qualitätsarbeit kennzeichnet.

Gestern brachte die IVZ online diesen Artikel über einen randalierenden Jugendlichen in der Innenstadt von Ibbenbüren auf ihrer Internetseite, gut platziert im Bilderwechselrahmen. Unter dem Artikel wird zwar kein Autor angegeben, dafür ist zu lesen

Dieser Beitrag in IVZ-aktuell ist ein Produkt der IVZ-Redaktion.

Falls Sie nun darunter verstehen, dass irgendein Satz in diesem Beitrag von jemandem in der IVZ-Redaktion geschrieben wurde: Pustekuchen. Offensichtlich stammt der Text vom Presseportal der Polizei Steinfurt und ist hier zu finden. Dieser Beitrag ist wohl eher ein Produkt von Copy & Paste.

Weiterlesen

Warum das Leistungsschutzrecht de facto eher ein Verlagszitierverbotsgesetz ist

lsrabstimmung
Es wäre sicherlich alles andere als erwartbar gewesen, wenn unser Dieter dem Leistungsschutzrecht nicht zugestimmt hätte – so wie er dem Antrag gegen die Privatisierung von Wasser nicht zugestimmt hat. Hinterbänkler orientieren sich eh meist an den Vorgaben der eigenen Fraktion. Wobei es beim Leistungsschutzrecht so recht auch nichts mehr zu verstehen gab.

Zunächst war das Leistungsschutzrecht von Verlegern eingefordert und als Plan in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden, um Gewinne von Google an die Verleger weiterleiten zu können. Durch die Veränderung des Leistungsschutzrechts, demnach wenige Worte und Kurzpassagen weiterhin frei möglich sein sollen, fällt de facto Google nicht mehr unter dieses Gesetz, denn Google verwendet nur Kurzpassagen der Länge von 160 Zeichen.

In der heutigen Debatte haben es Politiker von CDU und FDP nicht einmal vermocht, anzugeben, wie das Gesetz in der Praxis funktionieren soll und auf welche Anwendungsfälle es überhaupt geht, wo Google doch herausfällt. Das kann man so auch bei Peter Tauber, MdB für die CDU, nachlesen.

Auch Dagmar Wöhrl, MdB der CSU, kann dem Leistungsschutzrecht nichts abgewinnen:

Auch wenn ich die Debatte für notwendig erachte und Verständnis für die unterschiedlichen Positionen und Interessen habe, kann ich das Leistungsschutzrecht nicht vertreten und den darum betriebenen Lobbyismus will ich nicht unterstützen – weder als Bundestagsabgeordnete, noch als Juristin und schon gar nicht als Silver Surferin!

Rechtliche Konsequenzen

Möglicherweise wird es durch das Leistungsschutzrecht zu Klagen kommen, wenn Verlagstexte wie auch immer zitiert werden, denn das auch in Frage kommende Zitatrecht greift nur bei selbständigen Texten, die das Zitat mit eigener Interpretation verwenden. Klagen werden ja nicht gestellt, wenn die Lage eindeutig ist, sondern auch bei Verdacht auf eine gewinnbare Klage. Und da das Leistungsschutzrecht überhaupt nicht klar macht, in welchem Fall es zum Zuge kommt und in welchem nicht, könnte es zu diversen juristischen Spitzfindigkeiten kommen. Konsequenterweise sollte man, will man juristischen Auseinandersetzungen möglichst sicher aus dem Weg gehen, auf das Zitieren von Verlagsinhalten verzichten – auch in Facebook-Profilen. Denn was ein Newsaggregator, der im Internet nach Nachrichten sucht, und gegen die Verlage, wer immer darunter zu zählen ist, klagen darf, das weiß niemand so genau.

Dass den eigentlichen Urhebern mit diesem Gesetz nicht geholfen ist, beschreibt ZAPP:

Lars Klingbeil von der SPD hat eine gut verständliche Rede für die Opposition im Deutschen Bundestag gebracht, die sich in Teilen mit den Ansichten Dagmar Wöhrls deckt, und auch viele Punkte der generellen Diskussion aufnimmnt:

Man darf demnach gespannt sein, ob die SPD Wort hält und das Gesetzvorhaben stoppen wird.

Weiterlesen