Neu im Bücherschrank(27): Deborah Tanner – Laß uns richtig streiten

DSCF8031

Tja, mit so massentauglichen Allgemeinratgebern verhält es sich halt immer ähnlich: Da werden ohne sauere Arbeitsweisen wilde Spekulationen als allgemeine Wahrheiten verkauft. Oder wie eine Kollegin der Autorin kritisiert:

Tannens Buch, sagt Freed, „festigt gleichzeitig negative Stereotypen von Frauen, entschuldigt Männern ihre interaktiven Verfehlungen und verzerrt durch Unterlassen das angesammelte Wissen unserer Disziplin.“ Während Tannen tatsächliche Feststellungen eines Forschers bezüglich der Entwicklung der sprachlichen Interaktion zwischen Kindern genau zitiert, benutzt sie diese, um mit den Begriff des intrinsischen Unterschieds zwischen den Geschlechtern zu unterstützen, während die eigentliche Forschung mehr Gemeinsamkeiten findet. Ihre lesenswerten Anekdoten unterstützen ungerechtfertigte Verallgemeinerungen, die ethnische Unterschiede nicht berücksichtigen. „Für mich als amerikanische, jüdische Frau, die mit einem irisch-amerikanischen Mann verheiratet ist“, sagt Freed, “ stehen die Konstellation der Gesprächspartnermerkmale, mit denen ich lebe, völlig im Widerspruch mit den von Tannen beschriebenen.“ Sie weist auch darauf hin, dass Männer und Frauen in der Lage sind, miteinander recht gut zu kommunizieren, wenn sie miteinander umgehen.

Es ist also keine fachgerechte Analyse individuellen Verhaltens, auch keine spielerische Heranführung an kommunikative Verhaltensweisen, sondern Auf-Gut-Glück-Spekulation. Dennoch war das Buch innerhalb weniger Tage aus dem Bücherschrank wieder verschwunden. Gute Unterhaltung.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.