Morgenkaffee

Ich finde Constantin Seibt ja durchaus lesenswert, komme aber dann doch nicht dahinter, wonach er eigentlich so strebt. So lese ich heute morgen auch dieses Interview, das die Runde macht: „Stil hat, wer keinen Unfug schreibt.“ er meint guten Stil, oder? Klingt nett, ist aber falsch. Man kann auch grottenschlecht über wichtige, neue Themen und Ansichten schreiben. Ich stimme ihm aber zu, dass journalistisch heutzutage viel zu viel Müll produziert wird, und weniger mehr wäre.

Lese ich auch erst jetzt, ist aber auch sehr lesenswert: Gerhard Baums Abrechnung mit den Bundesregierungen seit 2001: „Warum hat niemand Alarm geschlagen?“

Na, immerhin etwas: Bis Jahresende soll der NPD-Verbotsantrag gestellt werden.

Und während ich mir die Frage stelle: Erleben wir wohl noch einmal die Renaissance des Qualitätsjournalismus‘ in einem einzigen Blatt? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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Heute griff ich mal wieder zum Käseblatt und da fiel mir dieses Zitat in die Augen:

„Wenn zwei Menschen immer dasselbe denken, ist einer von ihnen überflüssig.“

Winston Churchill (1874 – 1965), britischer Politiker und Nobelpreisträger

Wissen Sie, was dieses Zitat mit dem Zitat „Ich bin ein Berliner“ gemein hat? Beide stammen nicht von Winston Churchill. Zumindest nicht nachweislich. Auch online habe ich auf englischsprachigen Seiten keinen Hinweis gefunden, der beides miteinander belegt in Verbindung bringt. Auf deutschen Internetseiten ist diese Kombination wesentlich verbreiteter. Andererseits wird er auch Albert Einstein untergejubelt .

Der Satz stammt wohl eher aus dem American Magazine und lautet 1931 im Original:

When two men in business always agree, one of them is unnecessary.

das wiederum vom Zitat

If the two records substantially agree, one is uneccessary

aus dem Jahr 1884 abstammen könnte. Der Erbauer des Schlosses Elmau, Johannes Müller, soll auch sowas gesagt haben. Das wäre alles dichter dran als Churchill. Wahrscheinlich wird es auch noch frühere Sinnsprüche über Identität geben, die entsprechend zu lesen sind.

Früher hat man ja durch Zitieren seine Belesenheit zur Schau gestellt, was auch schon albern war. Heute kann man dadurch auch gut seine Unbelesenheit zur Schau stellen. Man weiß eben nicht, von wem so ein Zitat kommt oder nicht kommt. Kann schon sein, dass Churchill das irgendwann mal gesagt hat. Wer will das genauestens widerlegen?

Zumindest bei Käseblättern scheint es mir so zu sein, dass niemand mehr so recht daran interessiert ist, wie verlässlich das ist, was man so druckt, wenn es eh keinen interessiert und niemand einen prüfenden Blick darauf wirft.

Denn gestern gab es beim Käseblatt dasselbe Spiel:

„Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“

Charlie Chaplin (1889–1977), britischer Komiker, Schauspieler, Regisseur, Komponist und Produzent

Warum nicht mal Willy Brandt? Das wäre doch mal ausgefallener, wenn man sich eh nicht um den tatsächlichen Autor bemüht. Das angebliche Zitat scheint mir aus derselben im Netz gefundenen Zitatdatenbank zu stammen. Es wird Chaplin oft im Internet ohne irgendeinen Beleg zugeschrieben, stammt aber wohl eher von Nicolas Chamfort aus dem 18. Jahrhundert und lautet:

La plus perdue de toutes les journées est celle où l’on n’a pas ri.

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