Neu im Bücherschrank (66): Louis Begley – Lügen in Zeiten des Krieges

So langsam ostert es wieder, zumindest die bunten Parteiplakate säumen wieder die Laternenpfäle. Da ich gerade für’s Wiki die Nazizeit Ibbenbürens erarbeite, passt dieser Schinken gut rein:

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Das Buch habe ich 1996 gelesen, und kann das nur unterstreichen, was ich 2008 schrieb:

Ein Buch, das mir in grausiger Erinnerung bleibt wegen der Szene mit dem Kleinkind. Beschreibt schlicht die Ausgeliefertheit gegenüber dem Terror.

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Hüftgold in Düsseldorf

Heute mal eine Tarte im gaaaaaanz weiten Sinne.

Seit einigen Jahren verändert sich das Stadtbild zusehends. Vor allem die Einflüsse und die Essenstrends aus den USA lassen die üblichen, vollgespackten Pommesbuden verschwinden und stattdessen schießen quietschbunte Lädchen aus dem Boden, die einen auf Retro machen und versuchen, einem übertreuerten Süßkram anzudrehen. Das Süßzeug wird fertig geliefert und von irgendwelchen Aushilfskräften aufgebacken, Liebe und Hingabe sind da eher Fehl am Platz, alles schmeckt irgendwie gleich und irgendwie nach irgendwas.

Daher bin ich froh, euch heute mal einen kleinen Laden in Düsseldorf-Flingern vorzustellen, der seine Kuchen noch selbst backt und auf seine unkonventionelle Art der sonst so spießigen Stadt eine Stück Coolness verleiht. 🙂

Das Café Hüftgold in der Ackerstraße 113. Der Schokoladenkuchen ist die Sünde wert und absolut empfehlenswert.

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Pufftown

Ortskenntnis ist eine Zier, doch es geht auch ohne ihr. Natürlich geht es in der aktuellen Puff-Diskussion entgegen der Darstellung der IVZ nicht um ein Freudenhaus in Schierloh, sondern in Langewiese. Und ein Gerücht würde ich das auch nicht gerade nennen. Aber sei’s drum.

Diana’s Haus hatte vorher seinen Platz in Osnabrück, in letzter Zeit war in Langewiese aber wohl eher tote Hose. Und die Lustgänger machen dafür auch einen Grund aus:

die bewohner gehen auf die strasse mit videocamera und fotoaparat also ich geh bestimmt nicht hin

Verwunderlich ist allerdings, dass seitens der Stadt erklärt wird, es seien keine Bordelle in Ibbenbüren angemeldet. Mitunter scheint es in der Tat zu Wohnungsprostitution zu gehören, was in Ibbenbüren so abgeht. Und anscheinend muss man die nicht anmelden.

Beim Haus Laura hätte ich aber auf was anderes getippt.

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Der Konsul von Bangladesh

Anfang der 1970er Jahre stand in der Kanalstraße 13 in Ibbenbüren ein Haus, das abbruchreif war. Man nannte es das Bangladesh. Viele Jugendliche tummelten sich in diesem unbewohnten Haus, weil es keinen Jugendtreff für sie in der Innenstadt gab.

Irgendwann tauchte ein Mann aus Berlin im Bangladesh auf, der sich Konsul von Bangladesh und Che nannte. Mit richtigem Namen hieß er Hugo Günter Lachmund. Im Konsulat sollen während seiner Anwesenheit Drogen wie LSD verkauft worden sein.

Lachmund stammte aus Thüringen, ließ sich in Wuppertal zum Bäcker ausbilden und war als Schiffskoch zur See gefahren. Er hatte in Deutschland seinen Pass verloren, dieser tauchte allerdings in einer Jacke einer Person wieder auf, die in Berlin überfahren wurde und unkenntlich entstellt wurde. Daraufhin erklärte man Lachmund für tot, was dieser aber erst nach seiner Wiederankunft in Deutschland erfuhr.

Nun ging er nach Freiburg und machte dort angeblich einen Magisterabschluss in Germanistik, holte aber sein Zeugnis nie ab. Danach ging er nach Ibbenbüren, wonach er als Koch im besetzten Tommy-Weißbecker-Haus in der Kreuzberger Wilhelmstraße arbeitete. Offenbar hat er in Berlin erzählt, er habe im Münsterland eine Hilfsorganisation für Bangladesh gegründet.

Lachmund starb 2002, nachdem er den Anspruch auf Sozialhilfe verlor und in Folge dessen ein lebenswichtiges Blutverdünnungsmittel nicht mehr beziehen konnte, völlig verarmt in Berlin auf einer Parkbank.

Mehr im Wiki: http://wiki.ibbtown.com/Konsulat

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