Rheinische Sicht der Dinge

Erst vor kurzem las ich diesen Artikel, der sich mit der Kölner Bloggerszene, was immer das nun auch wieder ist, befasst. Das hat mich grundsätzlich interessiert, weil mir auf Anhieb kein einziges Blog einfiel, von dem ich wusste, dass der Verfasser aus Köln kommt oder dass es Köln behandelt. Um so verwunderter war ich, als ich auf diesen Satz stieß:

Die alphabetisch sortierte Liste verdeutlicht eindrucksvoll, dass die Kölner Szene durchaus in der Liga von Berlin, Hamburg und München spielt.

Und es folgt eine Liste von nicht einmal 100 Blogs, aus der folgt, dass Köln eben Klassen tiefer als Berlin, Hamburg und München spielt, was Blogs angeht. Sie beinhaltet eigentlich nur kleinere Blogs, die geringste Bekanntheit haben, und ein, zwei Ausreißer, die außerhalb Kölns bekannt sind, aber auch in letzter Zeit keine großen Wellen schlagen. Ein richtig bekanntes Blog findet sich nicht darunter.

Diese Woche konnte man dann im Düsseldorfer Express eine Replik auf Tita Gieses Meinung, Düsseldorf sei langweilig, lesen: Düsseldorf sei super spannend.

Viel spießiger hätte die Antwort nicht ausfallen können: Altbiersaufen, spatzieren, Essen, ins Museum oder zu einem Spiel einer Zweitligafußballmannschaft gehen. Das kann man so auch über Bielefeld sagen (jaja, Drittligafußballmannschaft). Langweiliger wäre die Liste nur noch, wenn man schreiben würde, dass man auf die Kö gehen kann, um zu gucken, ob vielleicht da was los ist. Und versuchen Sie mal, so eine Liste über Blogs wie die über Köln aufzustellen.

Man kann also Tita Gise direkt recht geben oder eben mit so einem Artikel indirekt.

Aber vielleicht weiß man sowas erst einzuschätzen, wenn man etwas anderes kennt, wie Raoul Festante vom T-Shirt-Label „L’Idealista“ meint:

Flingern-Nord ist […] viel gesetzter, es gibt wenig lebendige, gemeinsame Stadtteilkultur, habe ich das Gefühl. Gerade in meiner Ecke viele Werber, Anwälte, Lehrer, Mammis und Pappis, dazwischen ein paar Alkis und Obdachlose, die sich aber an eine unsichtbare Grenze halten und sich nur selten in das Gehege der Anderen verirren. Alles so nebeneinander und auch auf dem Weg, immer schicker und exklusiver zu werden. Also zum Kotzen langweilig.

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