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  • Bilanz nach zehn Jahren – Hartz IV war ein Reinfall "In keinem anderen Industriestaat wucherte der Niedriglohnsektor so krebszellenartig wie hierzulande. Viele Berufstätige haben kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mehr, das ihnen Schutz vor elementaren Lebensrisiken bieten würde. Wenn dieser jedoch gegeben ist, leisten sie vielfach Leiharbeit oder Zwangsteilzeit.<br><br>
    Das Gesamtarbeitsvolumen der Volkswirtschaft wurde seit der Jahrtausendwende nicht etwa vermehrt, sondern nur anders verteilt, genauer: aufgespalten in vielfach prekäre Beschäftigungsverhältnisse."<br>
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Kinder greifen immer früher zum Telefon. Aber auch das Smartphone ist ihr ständiger Begleiter. Das ständige Daddeln am Handy hat zudem Auswirkungen im schulischen Bereich: Schüler schlafen im Religionsunterricht ein, kommen in Mathe nicht mehr mit und verlieren das Interesse am Fach Sachkunde. Wir sprachen mit Professor Alfons Trödelkamp vom Institut für interkontinentales Zeitmanagement über die Gefahren der digitalen Welt.

Herr Professor Trödelkamp: Handys machen den Lehren das Leben schwer, ihre Fächer interessant zu unterrichten, weil Schüler kaum noch aufpassen können. Worin sehen Sie den Unterschied zur vorhergehenden Schülergeneration?

Ja, nun. Schüler ertragen es im Unterricht einfach nicht mehr, dass man auch mal warten muss, bis was Interessantes kommt. Sowas kann in der Schule ja locker schon mal zwei, drei Tage in Anspruch nehmen. Konzentration und Handlungsplanung, das sind die zwei zentralen Eckpfeiler unserer… Eine Sekunde, mein Handy, ich muss da jetzt mal eben, da warte ich schon die ganze…  WAS? VERKAUFEN! VERKAUFEN!

In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde ja mit Autogenem Training versucht, die Konzentrationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen auf eine Sache…

Eben! Man muss auch mal bei der Sache bleiben. Die Schussel von heute lassen sich ja viel zu leicht unter… Öh, warten Sie mal ein ganz kleines, da kommt was Dringendes auf meinem Handy rein. „Update für LokalzeitungsApp. Akzeptieren?“ Ja. „Herunterladen und installieren?“ Ja. So. Und nun noch mal zu ihnen: Was war Ihre Frage noch gleich?

Kinder leiden zunehmend unter Konzentrationsschwierigkeiten. Das führt zu mangelhafter Ausnutzung ihres Lernvermögens und Irritationen im Sozialverhalten. Wie kann man dem beikommen?

Da sprechen Sie ein heikles Thema an, an dem wir schon lange arbeiten. Moment, mein Hänn… „EILNACHRICHT!. Bitte App-Update nicht installieren. Kann Schäden am Handy verursachen.“ Ja, so ein vermaledeiter… „App wirklich deinstallieren?“ Ja. „Möchten Sie uns verraten, wieso Sie die App deinstallieren?“ Nein. „Vielen Dank, dass Sie…“ Blablabla. So, um noch einmal auf Ihre Frage zurück zu kommen: Im Großen und Ganzen – ja.

Herr Professor Trödelkamp, vielen Dank für das Gespräch!

Und Sie sind?

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Nachtigall, ick hör dir salafieren

Es ist schon erstaunlich, wie reißerisch man bei der WN mit der Problematik, für den Heiligen Krieg angeworbener Jugendliche umgeht:

In Ibbenbüren hat sich vor einiger Zeit ein salafistischer Prediger aufgehalten, der den Sicherheitsbehörden bekannt ist. Die Polizei hatte darüber die islamischen Vereine und Verbände informiert. Deren Vertreter hatten vor ein paar Tagen noch beteuert, nichts von extremistischen Strömungen in ihrer Stadt zu wissen.

Für die WN gibt es demnach in jeder Stadt, in der sich ein Salafist mal aufhält, eine salafistische Strömung? Ernsthaft?

Ich weiß nicht, was Vertreter der islamischen Gemeinden und Vereine alles gesagt haben. Was ich nur im Kopf habe ist, dass Seluk Özdemir vom Ibbenbürener Ausländerbegegnungszentrum bestritten hat, dass es eine salafistische Szene in Ibbenbüren gibt. WN und IVZ hatten geschrieben:

Salafisten im Raum Ibbenbüren schicken junge Muslime nach Syrien und in den Irak

In und um Ibbenbüren haben sich offenbar radikal-islamische Kräfte etabliert, die junge Muslime für die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) rekrutieren.

Eine bis heute unbelegte Behauptung. Aber man muss ja irgendwie den Eindruck erwecken, dass da irgendwas dran sei. Und sei es einfach so, dass man im selben Text sich einfach mal wiederholt:

Während die islamischen Verbände in Ibbenbüren beteuern, von der Radikalisierung der Jugendlichen vor Ort nichts bemerkt zu haben und vor wenigen Tagen öffentlich erklärten, dass das überall, aber nicht in ihrer Stadt geschehen sein kann, steht inzwischen fest, dass mindestens ein den Behörden bekannter Salafist unlängst in Ibbenbüren in Erscheinung ge­treten ist.

Der Autor verwendet „in Erscheinung getreten“ für „gewesen ist“. Die Verwendung ist ungefähr so sinnvoll wie „Ich bin unlängst bei meinem Bäcker in Erscheinung getreten, um Teigwaren an mich zu nehmen“. Ein harloser Vorgang wirkt auf einmal verschwörerisch. Da wird schon irgendwas gewesen sein. Aber es geht auch noch etwas dramatischer:

„Die erste der vier Gemeinden in der Stadt hat ihn rausgeworfen, die zweite jedoch war verunsichert und hat ihn in ihre Moschee gelassen“ – wohlwissend, dass es sich dabei womöglich um einen radikalen Prediger handelt.

Aha. Von der Behauptung „Salafisten im Raum Ibbenbüren schicken junge Muslime nach Syrien und in den Irak“ ist demnach „Ein radikaler Prediger war einmal in einer Ibbenbürener Moschee“ geblieben. Und was heißt „womöglich“? Womöglich war das auch gar kein radikaler Prediger?

[…] In der Nähe eben dieses Beethauses sollen auch junge Muslime aus anderen Städten mit salafistischen Ideen in Berührung gekommen sein. Unter anderem der 18 Jahre alte Tolunay G. aus Ahlen

Tolunay G. aus Ahlen ist in Ibbenbüren für die IS rekrutiert worden mit salafistischen Ideen in Berührung gekommen oder wie derselbe Autor in der IVZ schreibt

radikalisiert worden

Das ist doch mal eine These. Was in diesen Texten bloßes Gerücht ist, was Information des Verfassungsschutzes, was eine Tatsache, was der Phantasie des Autors entspringt – das alles gibt sich die Klinke in die Hand.

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Mit Pampers verstopfte Biomüllschredder, heimlich beerdigte Kleintiere und müffelnde Staubsaugerbeutel in der Biomülltonne, das alles soll in Zukunft der Vergangenheit angehören. Hiermit befasst sich der Bio-Detektiv Guido Ölkmann.

Herr Ölkmann, wo setzen Sie an, um die Bioentsorgung wieder auf Vordermann zu bringen?

Ja, nun. Vorrangig wollen wir versuchen, denjenigen an den Kragen zu gehen, die ihren Biomüll illegal im Wald verscharren. Das sind die so genannten Bio-Leerer. Die glauben, die Natur sei ihr’s und dann humpeln sie mit ihre Biotonne durch das Dickicht und verbuddeln ihr Zeug, wo es ihnen gerade passt. So geht’s aber nicht, Freundchen. Den lauern wir jetzt auf.

Wie sieht das konkret aus?

Wir haben aus dem richtigen Biomüll und übrig gebliebenen Gülleresten in einem komplizierten Verfahren Bioträger hergestellt, die wir von extra installierten Hochsitzen, den Bio-Logen, aus über ein Katapult abfeuern werden, wenn die Rabauken wieder in den Forst ziehen. Das wird ne schöne Sauerei, wenn die wieder ankommen, die Drecksäcke.

Nun ist Gotcha ja ein Spiel, das in freier Wildbahn gar nicht erlaubt ist. Wie sieht es mit der rechtlichen Absicherung aus?

Ja, wer soll es denn sonst machen. Seitdem hier am McDonald’s Highway der Autoverkehr verboten ist, trauen sich die Polizisten ja kaum noch in den Wald. Die möchten auch nicht im Dunkeln auf militante Bio-Leerer treffen, nur weil die da ihren Kompost beerdigen. Dann müssen wir da eben ran.

Trotzdem könnte man ja meinen, dass es zu Prozessen kommt, wenn man einfach so im Wald Bürger mit Bioträgern abschießt.

Ja, wieso das denn? Wir beschießen die ja nur mit demselben Zeug, das die selber in den Wald bringen. Das ist doch eine Art biologischer Gerechtigkeit, was wir da machen. Oh, warten Sie! Da kommt der alte Bönker mit seinen Katzenstreusäcken. Dem werden wir aber mal gehörig einheizen. UND! FEUER!

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Schnüffelspaß

Das Watzefack des Tages geht heute mal an den Fachdienst Kultur auf seinem Experimentiertrip:
schnueffel

Ich weiß ja nicht, welche Substanzen in der Alten Sparkasse da gerade geschnüffelt werden, aber beim verharmlosenden Na und? sei mal angemerkt: Besonders bei Schwangerschaften sollte man von der Inhalation von flüchtigen, flüssigen oder gasförmigen Substanzen, dem so genannten süchtig machenden Schnüffeln, Abstand nehmen, denn der Konsum kann sich gesundheitsschädigend auf sich selbst und das Kind auswirken.

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Jürgen Kehrer: Kein Fall für Wilsberg

buchleserWeiterer Schritt in meinem Vorhaben, einmal die Wilsberg-Romane durchzulesen: Der vierte Schmöker der Reihe . Ein Industrieller eines Vororts von Münster wird ermordet aufgefunden. Seine Firma ist in Waffenlieferungen verstrickt und er hat ein persönliches Geheimnis. Sämtliche Figuren bis auf Wilsberg bleiben farblos, der Fall haut einen nicht vom Hocker, Lokalkolorit ist auch kaum gegeben, einzig die Mordmethode bleibt vielleicht etwas im Hinterkopf. Ansonsten geht sich dieser Text im Rausch alltäglicher Informationen zielsicher unter.

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