Schöner Stolpern

In Ibbenbüren ist das Stolpersteinprojekt angestoßen worden. Und da das Projekt zum Stolpern quasi animieren soll, legt man bei der IVZ am Samstag gleich vor:

Lang ist es her, werden so manche stöhnen. Was geht mich das an, ich war nicht dabei, ich bin nicht schuld. Darum geht es nicht. Es geht um Rassismus.

Äh, nein. Es geht um Antisemitismus, und der ist keine Unterform von Rassismus – solange man nicht das Vokabular der Nationalsozialisten verwenden möchte oder jüdisch für eine genetische Eigenschaft hält. Es geht aber auch um die Gleichheit der Personen vor dem Gesetz, scheint auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht überall für voll genommen worden zu sein:

Kriminalpolizeiwachtbeister Gattner kam am 21. Februar 1950 zu dem Schluss, dass die Täter des Progroms in Hopsten nicht eindeutig identifiziert werden konnten und dass die verursachten Schäden „gegenüber anderen Städten in keinem Verhältnis gestanden haben“ (Lars Boesenberg, Jürgen Düttmann, Norbert Ortgies, Machtsicherung, Ausgrenzung, Verfolgung: Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Ibbenbüren, mit einem Beitrag von Marlene Klatt und Rita Schlautmann-Overmeyer, Historischer Verein Ibbenbüren, S. 94)

Stolpern war gar nicht notwendig, denn Gernold Mudrack hatte in derselben Ausgabe mit Verve vorgelegt:

Es sind eine ganze Menge Initiativen im Sande verlaufen, weil der lange Atem und der notwendige Biss fehlten. Es gab auch Vorbehalte: Könnten wir Ärger kriegen mit Leuten, denen nachgesagt wird, sie hätten sich an jüdischem Eigentum vergriffen? Dann fällt ein schlechtes Licht auf seriöse und angesehene Mitbürger, und das wollen wir doch nicht… Im Grunde: Es ist verzögert worden.

Das ist in der Tat in ganz kurz die Vorgeschichte einiger bisheriger Versuche der Aufarbeitung Ibbenbürener Geschichte von privater Seite. Übersetzt heisst das: Wie groß ist die Gefahr, von bestimmten Personen verklagt zu werden? Manchmal sind derartige Personen ja finanziell auch so gut ausgestattet oder so erbost, dass eine wenig Erfolg versprechende Klage angestrebt wird, nur um den Beklagten zu schaden.

Klageandrohungen funktionieren sicher auch als Druckmittel nicht schlecht. Seit 2009 ist allein dieses Blog mit Klageandrohungen mit angeblichen Streitwerten bis unterm Strich über 300.000 € konfrontiert worden. Vor Gericht ist noch niemand gegangen.

Um beim Thema Nationalsozialismus zu bleiben: Während die Stadt Ibbenbüren finanzieller Forderungen ehemaliger jüdischer Bürger nachkam, sahen Bürger dies anders:

Andere „Käufer“ arisierter Immobilien waren nicht so einsichtig, vor allem wurde in der frühen Nachkriegszeit der Zusammenhang zwischen Judenverfolgung und Arisierung teilweise heftig bestritten. Ehemalige „Ariseure“, also „Aufkäufer“ jüdischer Immobilien, stellen sich als, Opfer der Zeit und der damaligen Rechtslage dar, verweisen auf das NS-System oder die Kriegszeit und lehnen eigene Verantwortung vehement ab (Freund, Susanne; Jakobi, Franz-Josef; Johanek, Peter; Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Westfalen und Lippe, Ardey-Verlag, 2008, S. 421f.)

Man darf gespannt sein, ob die Stolpersteine sich so einfach verlegen lassen.

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SeriouS – Dream

Dima Wolf hat als Serious das Video zum Lied Dream veröffentlicht. In gleich drei Sprachen zeigt einer der vielverprechendsten Nachwuchsmusiker aus Ibbenbüren eindrucksvoll, was man aus Rap machen kann.

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Ruhe in Frieden, Mazztv (2009-2014)

Opulent gestartet, stiekum eingestampft: Während wir dieses Jahr unser 5jähriges gebührend feierten, macht die IVZ ihre öffentlich zugängliche Videoplattform MazzTV zum 5. Geburtstag dicht. Das ist schon vor ein paar Tagen geschehen: Man nennt das Ende von MazzTV, mit dem man einst die Abo-Erhöhung begründete, offiziell eine Integration in die IVZ-Familie, und ist darüber wohl so glücklich, dass man diese schon initiierte Veränderung in den IVZ-Produkten bis heute verschweigt. Auch in den sozialen Netzwerken, in denen man sich doch sonst so gerne aufregt, dass man bei der IVZ deren Arbeit nicht kostenlos ins Internet stellt, scheint die Veränderung bislang gar nicht wahrgenommen worden zu sein.

Die Geschichte von MazzTV ist die Geschichte einer misslungenen Markeneinführung (Weiß irgendjemand, wass Mazz heißen soll?) anhand eines Formats, dass andere Zeitungen schon vor Jahren eingemottet haben. Statt wie vois.tv Projekte zu entwickeln auszuprobieren, die die Marke nachhaltig auf den Radar der Öffentlichkeit gebracht hätten, blieb es meist beim Kamera-draufhalten. Und die Balkon-Show der Sportjournalisten entlarvte meist nur, wie trivial ihre Sicht auf das Sportgeschehen ist. Nun wurde MazzTV bei Facebook schon der Stecker gezogen. Auf der Twitter-Seite liest man:

mazzTV war von 2009 bis 2014 die regionale Videoplattform für das Tecklenburger Land

Wobei diese Bezeichnung ja schon Unsinn ist, wenn ein Projekt mit Tecklenburg, Ladbergen, Lengerich, Lienen, Lotte und Westerkappeln – sprich mit der Hälfte des Tecklenburger Landes – nichts zu tun hat. So hört sich die Beschreibung dann auch eher nach einem Ende als nach einer Familienaufnahme an. Videos der IVZ verschwinden von nun an unterhalb des öffentlichen Radars hinter einer Bezahlschranke und ob die Comedytruppe von der Sportredaktion weiterhin ihre nichts erklärenden Wochenendorakel dort zum Besten gibt, ist unklar – seit dem 5. Dezember erscheint die Rubrik nicht mehr.

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Schnelle Eingreiftruppe

Mehr als zwei Monate nach ihrer unkritischen Berichterstattung kommt man bei der IVZ mal auf die Idee, die Preise der Stadtwerke Tecklenburger Land in Hinsicht auf sonstige Anbieter zu betrachten – nicht ohne zu betonen, dass wer nicht Kunde bei den Stadtwerken Tecklenburger Land werde, auf Heimatverbundenheit pfeiffe.

Wie war das noch

[E]s gibt nach wie vor gute Gründe, eine Tageszeitung im Haus zu haben: Nur hier erhalte ich höchst aktuell alle wesentlichen Informationen aus meiner Stadt

[Quelle]

Das Wörtchen aktuell scheint offenbar regional unterschiedlich aufgefasst zu werden.

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Bi us … moije Wiehnachten!

Gäß´ton seggt Hilde, dat niächste Wiäke Wiehnachten is. Ick hebb noch gar keen Dann´nboom … Dan fohr ick an´t Saterdag maol in de Wohld van Crespel. Daor sün veele Boomen. Ick heff de Dann´nboom lesst Joahr afsägt, wiel of umdat Hein (de Döspaddel) seggt, dat daor Krabbeltieken in wöörnt.

Hebb´t iar dat in de Kaasblatt liäsen, met di Folterbericht van de USA? In de groote Krieg wullt de Amerikoner miene Dong hebben, awwer ick wiät nich, wat de dormee maken hefft.

Ick wünsch ji en Moije Wiehnachten en glückselig Neeijaar. Wenn je Piepkoken hebben musst, kom vorbie.

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Wilsberg – Die Fernsehserie

Die Kriminalabenteuer des Georg Wilberg wurden früh für’s Fernsehen adaptiert, so dass sich diverse Figuren, Eigenheiten und Humor entwickelten, wodurch sich Buchvorlage und Fernsehadaption fast grundsätzlich voneinander unterscheiden. Wer mal nichts anderes zu tun hat, darf sich die Serie allerdings durchaus mal reinpfeiffen – bei ein paar schwachen Ausreißern unterhält die Serie ganz gut.

01. Und die Toten lässt man ruhen Durchaus sympathische, wenn auch deutlich angestaubte Auftakt-Folge der Serie aus dem Jahr 1995.
02. In alter Freundschaft Auftakt der Reihe mit Leonard Lansink als Georg Wilsberg.
03. Wilsberg und die Tote am See Marie Zielcke gibt dieser Folge mit Eva Kryl und Tobi Schlegl etwas Tempo.
04. Wilsberg und der Mord ohne Leiche Routinierte Folge ohne größere Spannungsmomente.
05. Wilsberg und der Schuss im Morgengrauen Guter Schmunzelkrimi.
06. Wilsberg und der letzte Anruf Wilsberg trifft auf eine Ex, was öfters passiert. Emotionsgeladene, aber nicht übermäßig spannende Episode.
07. Wilsberg und der Tote im Beichtstuhl Routinierter Kirchenkrimi mit wunderbarer Jeanette Hain.
08. Wilsberg und der stumme Zeuge Der Hickhack zwischen den Hauptprotagonisten ist okay, der Fall um eine ermordete Künstlerin eher lahm.
09. Letzter Ausweg: Mord Diese Episode entstand im Rahmen eines Internet-Projekts aus der Zusammenarbeit mehrerer Hobbyautoren. Man merkt’s.
10. Der Minister und das Mädchen Spannender Politkrimi mit fiesem Martin Brambach und ein paar Schmunzlern.
11. Tod einer Hostess Spannende Folge mit Leslie Malton und Rolf Hoppe.
12. Tödliche Freundschaft Manni in love, wie schön.
13. Schuld und Sühne Schöne, nicht übersppannende Folge mit Franziska Walser.
14. Todesengel Kauzige Folge über ungewollte Sterbehilfe.
15. Ausgegraben Dramatische Folge über verarmten Bauern. Guter Einstieg für Ekki Talkötter und schöner Auftritt von Pierre Besson.
16. Callgirls Adoptionsdrama mit Rainer Piwek als Polizist. Nicht so spannend.
17. Falsches Spiel Nicht sonderlich spannendes Entführungsdrama.
18. Tod auf Rezept Spannende Variation von „Das Fenster zum Hof“
19. Miss Wahl Hinterhältige, aber nur mäßig spannende Model-Drama-Folge.
20. Die Wiedertäufer Sehr frei von der Buchvorlage abgehende Folge, die trotz Michael Mendel spannungsarm hinter der Vorlage bleibt.
21. Unter Anklage Wendungsreiche Folge, die überzeugt.
22. Filmriss Spannende Folge aus dem Rotlichmilieu mit Phillip Moog.
23. Royal Flush Stimmige, zum Ende nochmal spannende Folge.
24. Internet Affären Schöne Folge, in der Kommissarin Anna Springer an sich und ihrem Job zu zweifeln hat.
25. Das Jubiläum Mit Anleihen bei Agatha Christie gewürzte, spannende Jubiläums-Folge mit den wunderbaren Peter Sattmann, Saskia Vester, Eva Kryll und Uwe Rohde.
26. Der Mann am Fenster Wilsberg und Ekki betrunken, sehr lustig. Dieses Mal steht Wilsberg unter Verbrechensverdacht. Irritierend und spannende Folge mit Jörg Schüttauf und Johann von Bülow.
27. Doktorspiele Gen Ende etwas tragische, aber nicht sonderlich spannende Uni-Geschichte., teils in Masematte.
28. Oh du tödliche Lustige Weihnachtsfolge.
29. Gefahr im Verzug Stylischer Overbeck-Reisser mit diversen Running Gags.
30. Bullenball Schnell geschnittener Landschmunzelkrimi mit Ekki in Not, bei dem der Gewaltausbruch etwas unverständlich bleibt. Dafür taucht das erste Mal Ibbenbüren auf:

31. Frischfleisch Kommissarin Springer in Liebesnot und ein verwickelter Fall im nicht so ganz realistischen Callboygewerbe mit Hugo Egon Balder als Fiesling.
32. Tote Hose Dieses Mal sind Overbeck und Ekki in Liebesnot in einem spannenden Krimi mit fiesem Alexander Radszun und Siegmar Solbach. Schönes Spiel auch von Bianca Hein.
33. Im Namen der Rosi Tatsächlich eine etwas an Der Name der Rose erinnernde Episode, der es allerdings etwas an Realitätssinn mangelt.
34. Aus Mangel an Beweisen Etwas düstere, aber auch leicht überfrachtete Kidnapping-Folge mit Heinrich Giskes als Ekkis Vater – mit dramatischer Auflösung.
35. Die Bielefeld-Verschwörung Eine quasi an ihre Vorgängerin anschließende Folge, etwas gaga ob des Themas, aber durchaus einfallsreich und skuril.
36. Halbstark  Schul-Folge ohne Lokalkolorit und rechte Spannung, aber immerhin dicht erzählt.
37. Die Entführung Eine sich vom übrlichen Kriminiveau abhebende Folge, bei der der Witz überflüssig daherkommt, was aber durch das schöne Spiel von Michael Rotschopf überlagert wird.
38. Treuetest Overbeck hat ein paar lustige Auftritte in dieser Folge um Begleitservice-Mördereien, Münster kommt besser zur Geltung, die Spannung ist mäßig.
39. Gegen den Sturm Weniger Ulk, mehr Spannung und ein schön irres Spiel von Eva Löbau erwartet den Zuschauer dieser Folge, in der Ekki ein Haus in der Umgebung seiner Jugend erbt.
40. Hengstparade Weil Kommissarin Springer in dieser Folge entführt wird, muss man auf ihre Schimpftiraden und Tadelungen verzichten, während die nicht sonderlich witzige Geschichte dieses Mal sich etwas zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen verliert.
41. Nacht im Netz Schlüpfrige Folge um Alex. Aus technischer Sicht etwas naiv, aber auf Grund der Verwicklungen unterhaltsam.
42. Mundtot Wilsberg in dieser Folge in Geldschwierigkeiten. Ohne Overberg-Witze geht nichts mehr, der Lokalkolorit ist mal wieder etwas mehr im Vordergrund.
43. Das Geld der anderen Ordentliche Krimispannung bietet diese Folge, die auch passend mit Witz und Lokalkolorit gespeist ist.
44. 90-60-90 Hmm, schon wieder ein Modellkrimi. Dieser mit Karoline Eichkorn wirkt aber eher hysterisch als spannend.
45. Kein Weg zurück Diese Folge mit einem herausstechenden Bernd-Michael Lade ist schön düster und setzt wohltuend weniger auf Blödeleien.
46. Russisches Roulette Irgendwelche russischen Frauen, die illegal nach Deutschland eingeschleust wurden und aus einem LKW in Münster entkommen, landen bei Wilsberg im Antiquariat, dem wiederum im selben Wald nach einem Unfall viel Geld in die Hände gefallen ist. Klischeelastig und seicht.
47. Bauch, Beine, Po Schon besser: Spannende Episode mit schön schmierig spielendem Jörg Schüttauf, bei dem der Zuschauer lange im Unklaren gelassen wird.
48. 48 Stunden Rückgeblendete Folge, die etwas flotter daher kommt.
49. Bittere Pillen Nicht übermäßig spannende Heilpraktiker-Folge mit beißender Kritik an der Behandlung von Flüchtlingen in Deutschland.
50. Tod im Supermarkt Ziemlich bemühte, wenig spannende und kaum witzige Folge.
51. Mord und Beton Schöne Gastauftritte von Christoph M. Ohrt und Gesine Cukrowski in dieser Jubiläums-Folge, die zumindest nicht langweilt.
52. In Treu und Glauben Ecki will in dieser Episode überraschend heiraten – und das wird spannend und schön schmierig. Mit schön schräg spielender Nadja Becker.
53. Der Betreuer Schon wieder dank Regisseur Marc Rensing eine schmissige Folge über das Ausnutzen älterer, dementer Menschen mit Gudrun Gundelach und Jürgen Tarrach.
54. Die fünfte Gewalt Und es geht noch besser = mit diesem Politthriller samt einem hervorragend diabolischen Jan Henrik Stahlberg.
55. Straße der Tränen Bräsige Social-Media-Welle-Geschichte, in fast allen Hinsichten am Thema vorbei.
56. Münsterleaks Patenrochter Merle wird in dieser Folge neu eingeführt, besetzt aber dieselbe Funktion wie früher Alex. Ute Willing ansonsten als Lichtblick einer überfrachteten und insofern hölzernen Folge.
57. Alle Jahre wieder Weihnachten kann Wilsberg. Atmosphärisch stimmige, mit lustigen Logikwechseln verzierte Folge.

wird erweitert – bis zum nächsten neuen Fall.

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