Innenstadtparkbänke

Es hatte schon etwas Belustigendes, wie der CDU-Bürgermeisterkandidat in seiner Vorstellungsrede auf der CDU-Mitgliederversammlung vorschlug, mehr Sitzgelegenheiten in der Ibbenbürener Innenstadt zur Verfügung zu stellen. Es geht gar nicht um den Vorschlag an sich, auch wenn das vielleicht nicht der erste Vorschlag wäre, den ich als Bürgermeisterkandidat raushauen würde.

Nein, der Knackpunkt ist, dass es ja schon mal mehr Sitzgelegenheiten in der Innenstadt gegeben hat. Nur saßen dann da irgendwann gerne die Penner für ihr Frühstücksbier oder ein Nickerchen. Und dann waren die Parkbänke auf einmal abgesägt.

Weiterlesen

Donots – Karacho

Man muss halt einräumen, dass die Donots Musik für Mitzwanzigerplusminus machen. Und wie sich die Donots ihrer Zielgruppe anbiedern, dass ist schon erstaunlich rückgratlos, wo sie sich doch selbst ganz andersherum einschätzen würden. Die Donots sind monothematisch, ironiefrei, sprachlich auch auf deutsch hörbar begrenzt, textlich irgendwo in den 80ern, nur musikalisch fallen sie nicht aus dem Rahmen. Brüllen reißt da nichts raus. Im Einzelnen:

1. Ich mach nicht mehr mit Verlogenes, zielgruppenaffines Rumgeplärre. Wer sich vom Stadtmarketingverein Ibbenbüren einen Preis übergeben lässt für die gute Werbung für ihre Heimatstadt, der macht eben doch jeden Blödsinn mit.

2. Dann ohne mich Nächster Song, selber Inhalt: Die Doofen sollen besser ohne mich weitermachen. Schnarch.

3. Junger Mann zum mitleiden gesucht Boarderlinersong. Wenn die Gitarren nicht wären, nicht erwähnenswert.

04. Problem kein Problem Burnoutsong: „Ich hab kein Problem, ich bin das Problem.“

05. Du darfst niemals glücklich sein Nein, auch in diesem Lied stolpert man dauernd über Sprache, so das sprachliche Unkonformität zum Stilmittel erhoben werden muss. „Wie du fällst und dich dann fängst, wie du singst, selbst wenn du brennst…“ – so ein Liedtext muss ja auch gefüllt werden.

06. Kaputt Alles muss kaputt sein, wieso warum weshalb? Weiß der Geier oder weiß er nicht.

07. Weiter Ich-gegen-die-anderen-Durchhalteparolensong, alles wie gehabt.

08. Kopf bleibt oben Das Herz bleibt an, das Hirn bleibt aus. Rosenstolz hätten es nicht schlimmer machen können.

09. Hier also weg Flotte Nummer. Textlich muss jemand weg, wieso auch immer.

10. Straßenköter Noch so ein Ich-muss-raus-ich-werd-euch-nicht-vermissen-Song. So langsam würde man Geld bezahlen wollen für ein anderes Thema.

11. Das Ende der Welt ist längst vorbei Ja, es geht noch simpler, wenn der Songtitel den Inhalt des Songs komplett beinhaltet. Yeah, yeah, yeah.

12. Besser als das „Das“ ist der Alltag, besser sind „wir“. Noch Fragen?

13. Immer noch I mog di. Wir können uns alles sagen. So sind wir eben, wir Kindergartenkinder.

14. Hansaring, 2-10 Uhr Endlich am Ende des Albums. „Das soll nie zuende gehen“, doch das sollte es besser. Diese Selbstabfeierei erträgt man nicht weiter.

Wohlwollender wird das Ganze hier gesehen.

____________________

John B. Moore hat sich die englischsprachige Version angehört.

Weiterlesen

Leser zahlen Werbung

Während man sich bei der IVZ noch ärgert, dass man nachts keine Schüler, die übrigens nicht vom Mindestlohngesetz erfasst werden, zum Zeitungsrumbringen losschicken kann, habe ich mich gestern noch gefragt, wieso man denn bei der IVZ überhaupt seit 2015 den Mindestlohn für Zeitungsbringer zahlt. Denn eigentlich hatte doch die Presseverlegerlobby erfolgreich ausgehandelt, dass man für Zeitungsbringer bis 2017 eben nicht den Mindestlohn zahlen muss. Versteht man bei der IVZ die Gesetzeslage nicht?

Die Bundesregierung hat bereits zum 1. Januar 2015 die undifferenzierte Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes für nahezu alle Tätigkeiten und somit auch die Boten-Zustellung Ihrer IVZ eingeführt. (IVZ, 21.02.2015)

Abgesehen von der Fehlerhaftigkeit dieses Satzes, denn natürlich findet eine Differenzierung statt, wenn nicht alle Tätigkeiten gleich behandelt werden und ebenso natürlich hat die Bundesregierung nicht die Boten-Zustellung der IVZ eingeführt, ist das Satz schlicht falsch. Für die Zeitungszustellung per Boten wurde der Mindestlohn ja dank der Presseverlegerlobby gerade nicht eingeführt. Der Mindestlohn gilt allerdings dann für Zeitungsboten, wenn diese nicht bloß als Zeitungsboten, sondern auch als Zusteller von Post der Verlage und Werbematerialien unterwegs sind.

Ohne Werbungs- und Postzustellung würde die IVZ nicht den Mindestlohn, den sie für die Tätigkeit eines Zeitungsboten eh für überhöht hält, zahlen müssen, sondern mehr als 2 € pro Stunde weniger. Dann hätte man der Preis eines Abos wohl zumindest nicht wegen den Zeitungsbringern erhöhen müssen.

Zahlt der Zeitungsleser also nun mehr für sein Abo wegen der Werbung, die er mitfinanziert? Dann wäre ja der Artikel zur Abopreiserhöhung so etwas wie eine Irreführung des Lesers – freundlich ausgedrückt.

Weiterlesen

Mindestlohngeheule

Die IVZ verliert im Jahr hunderte von Abos, erhöht im dritten Jahr in Folge den Preis des Abos, schiebt es dieses Jahr allerdings in diesem Jahr auf einen „einfachen Grund“: Man muss Zeitungsbringer fair bezahlen. NEIN! DOCH! OH!

Und jetzt heult man kräftig in die eigene Zeitung:

Tageszeitungsverlage sind seit dem 1. Januar verpflichtet, die Zeitungszustellung vom Stücklohn – wie seit Jahrzehnten erfolgreich und zufriedenstellend praktiziert wurde – zum Stundenlohn umzustellen. Neben völlig aus dem Rahmen laufenden Dokumentationspflichten verursacht der gesetzliche Mindestlohn nun auch Personalengpässe […]

Die müssen jetzt aufschreiben, wie lange ihre Mitarbeiter gearbeitet haben: NEIN! DOCH! OH!

Bislang habe die IVZ einen Stücklohn bezahlt,

der dem Aufwand und der Tätigkeit als Zuverdienst in einer zeitlich begrenzten Tätigkeit – nicht Beruf – entsprach. Die Preisanpassung entspricht dem Mehraufwand durch das Mindestlohngesetz.

Ernsthaft? Die IVZ braucht mehr als 440.000 220.000 € Mehreinnahmen im Jahr, nur um ihre Zeitungszusteller fair zu bezahlen? So krass waren die unterbezahlt?

Weiterlesen

Das Gehirn aktivieren

Unsere Lokalpostille hat da wieder ein Leckerli ausgegraben:

Joseph H. Pilates starb 1967 im Alter von 87 Jahren beim Versuch, ein Feuer in seinem Studio unter Kontrolle zu bringen.

Boah, beim mutigen Todesfight mit 87 im brennenden Studio umgekommen, wie dramatisch.

Die erste Frage, die sich da aufdrängt ist ja: Wenn das Feuer im Januar 1966 ausgebrochen ist und Pilates erst im Oktober 1967 gestorben ist, wieso hat das eigentlich so lange gebrannt? Und warum hat ihn sein Löschversuch so schnell altern lassen, wo er 1967 erst 83 war?

Aber gut, so schreibt es die IVZ. In Wirklichkeit

ist aber im Januar 1966 „nur“ in dem Gebäude ein Feuer ausgebrochen und Claras Wohnung und das Pilates-Studio blieben wohl unversehrt. Pilates starb erst fast zwei Jahre später – im Oktober 1967 – an einem Lungenemphysem, das wohl von seinem starken Zigarren-Rauchen stammte.

Wie uncool.

Weiterlesen