Sauna-Bad-Geschichte

Erinnern Sie sich eigentlich noch an die merkwürdige Sauna-Bad-Geschichte in der lokalen Häkelpostille vor ein paar Tagen? Ein Pärchen stand wegen eines Diebstahles in einem Schwimmbad vor Gericht. Vor diesem Vorfall soll es wohl in einer Sauna heiß her gegangen sein, was man im Lokalteil mit „Erst Sex in der Sauna und dann die Zeche geprellt“ anreißen musste. Wer seinen Lokalteil mit Strick- und Kochgeschichten vollkriegen muss, ist für sowas sicherlich dankbar.

Der eigentliche Autor des Textes hatte diesen an die Westfälischen Nachrichten verkauft, wie er dann auch auf Facebook schrieb:

Meine Sauna-Bad-Geschichte wurde jetzt auch von den „Westfälischen Nachrichten“ (WN) in Münster übernommen. Denn die Täterin kommt aus Ibbenbüren – wo diese Zeitung erscheint. Allerdings: Den Text kann man online nur lesen, wenn man dafür auch bezahlt. Eine Bezahlschranke gegen die Gratis-Unkultur im Netz. Aber immerhin bekommt man gratis ein Foto geboten, das einen pornografischen Text erwarten lässt!

http://www.ivz-aktuell.de/lokales/ibbenbueren_artikel,-Erst-Sex-in-der-Sauna-und-dann-die-Zeche-geprellt-_arid,445343.html

Jaja, diese Gratis-Unkultur, schlimme Sache sowas. Dass immer noch Leute meinen, sie könnten sich im Internet frei bedienen. Aber Moment mal: Wieso denkt der eigentlich, die WN erscheine in Ibbenbüren?

Der Autor und ich sind dann so ins Gespräch gekommen und ich fragte schlicht, ob nicht bekannt wäre, dass das zwei unterschiedliche Zeitungen wären, und ob er denn von beiden bezahlt worden wäre.

Und die Antwort? Tja, sagen wir’s mal so: Eine Bezahlschranke schützt mitunter wohl auch die Gratis-Unkultur im Netz.

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Barcamps 2015

In letzter Zeit waren wir auf zwei Barcamps, eines davon in der GarageBilk in Düsseldorf und eines im Unperfekthaus in Essen.

Barcamp Netzpolitik

Dieses Barcamp wurde vom Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien und ich habe hier darüber gepodcastet, da geschrieben. Im Grunde war es nur ein Treffen von Leuten, die sich eh schon kannten und Spaß haben wollten, Ernsthaftig- und Nachhaltigkeit waren da nicht so gefragt. Gerade der lokale Politikbezug fehlte vollkommen. Eine für durch die Politik organisierte Veranstaltungen ganz typisches aussageloses Event, in dem sich ein paar Politiker sonnen wollten.

Barcamp.ruhr

barcampruhr

Nach einjähriger Pause wurde dieses Barcamp wieder aufgelegt, gefühlt allerdings mit denselben scheubeklappten Pappnasen und Barcamptouristen wie vor Jahren. Klassentreffen nennt man das dann gerne, aber wer will schon jedes Jahr auf Klassentreffen?

Sicherlich bedeutet das Auf-die-Beine-Stellen eines solchen Barcamps viel Zeit und Kraft, aber auch bei diesem Barcamp zeigte sich, dass oftmals die Teilnehmer nicht sonderlich gut diskutieren konnten – und darunter subsumiere ich auch das Kritikabwiegeln mit „Irgendeiner meckert immer“-, debattieren dagegen mit Vorliebe. Das führt auch hier wieder dazu, dass Nachhaltigkeit hopps geht, wenn man sie nicht auf Meet-and-Greet reduziert. Im Grunde schade, da die Atmosphäre schon mal unüberhypter als die in Düsseldorf war.

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Barcamping

In letzter Zeit waren wir auf zwei Barcamps, eines davon in der GarageBilk in Düsseldorf und eines im Unperfekthaus in Essen.

Barcamp Netzpolitik

Dieses Barcamp wurde vom Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien und ich habe hier darüber gepodcastet, da geschrieben. Im Grunde war es nur ein Treffen von Leuten, die sich eh schon kannten und Spaß haben wollten, Ernsthaftig- und Nachhaltigkeit waren da nicht so gefragt. Gerade der lokale Politikbezug fehlte vollkommen. Eine für durch die Politik organisierte Veranstaltungen ganz typisches aussageloses Event, in dem sich ein paar Politiker sonnen wollten.

Barcamp.ruhr

barcampruhr

Nach einjähriger Pause wurde dieses Barcamp wieder aufgelegt, gefühlt allerdings mit denselben scheubeklappten Pappnasen und Barcamptouristen wie vor Jahren. Klassentreffen nennt man das dann gerne, aber wer will schon jedes Jahr auf Klassentreffen?

Sicherlich bedeutet das Auf-die-Beine-Stellen eines solchen Barcamps viel Zeit und Kraft, aber auch bei diesem Barcamp zeigte sich, dass oftmals die Teilnehmer nicht sonderlich gut diskutieren konnten – und darunter subsumiere ich auch das Kritikabwiegeln mit „Irgendeiner meckert immer“-, debattieren dagegen mit Vorliebe. Das führt auch hier wieder dazu, dass Nachhaltigkeit hopps geht, wenn man sie nicht auf Meet-and-Greet reduziert. Im Grunde schade, da die Atmosphäre schon mal unüberhypter als die in Düsseldorf war.

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Gefahren des Freifunks

In der IVZ schreibt man über das Freifunk-Projekt, eine Initiative, um an möglichst vielen Orten Wlan-Router zur Verfügung zu stellen, sei es bei kommerziellen oder nicht-kommerziellen Dienstanbietern.

Der Knackpunkt, viele Mitstreiter zu überzeugen, wird neben einer technisch leichten und einwandfreien Umsetzung die Sicherheit in rechtlichen Fragen sein. Das gilt es, klar herauszuarbeiten.

Leider leistet die IVZ in dieser Hinsicht keinen Dienst, sondern lässt man jemanden aus dem Vorstand des Stadtmarketing Vereins in Ibbenbüren kritiklos zu Wort kommen:

Mit dem Router der Freifunker haben diese eine technische Möglichkeit gefunden, die Störerhaftung zu umgehen. Zumal den Freifunkern sogar per Gericht das Providerprivileg zugesprochen wurde, das sonst nur kommerzielle Anbieter genießen. Und deshalb ist dieser Weg auch rechtlich einwandfrei nach aktueller Gesetzeslage.

Das klingt schön, stimmt nur leider nicht. Den Freifunkern wurde bisher nicht per Gericht das Providerprivileg zugesprochen. Somit ist dieser Weg nicht rechtlich einwandfrei und schon gar nicht nach aktueller Gesetzeslage. Es ist bestenfalls bei Klagen unwahrscheinlich, wegen Störerhaftung belangt zu werden. Heute schon von einer Rechtssicherheit bei Freifunkern zu sprechen ist schlicht nicht korrekt – so sehr es zu wünschen wäre.

Und auch bei der IVZ selbst geht es kunterbunt durcheinander:

Hintergrund der bisherigen Gerichtsentscheidungen ist die nur in Deutschland bestehende Störerhaftung nach dem Telemediengesetz.

Sie können ja mal raten, wo die Störerhaftung nicht geregelt wird. Kleiner Tipp: Nicht im Telemediengesetz.

Diese besagt, dass Unternehmen, wie zum Beispiel Hotels, Kneipen oder Cafés dafür verantwortlich sind, wenn über ihren WLAN-Zugang Nutzer Straftaten begehen, indem sie sich beispielsweise illegal Musik oder Filme runterladen.

Das Gegenteil ist der Fall: Die §§8-10 des Telemediengesetzes regeln das sogenannte Providerprivileg, dem zufolge Internetzugangsanbieter, zu denen mitunter auch Hotels und Cafés gerechnet werden, die einen Internetzugang anbieten, gerade nicht für Straftaten von Nutzern haften, sofern sie sich an die Dienstanbieterpflichten halten. Ob das Providerprivileg gänzlich von der Störerhaftung befreit, ist somit offen.

Künftig könnte es allerdings für kommerzielle Anbieter freier Wlan-Netze etwas heikeler werden: Der kritische Punkt ist diese Passage des abgestimmten Referentenentwurfs des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie:

(4) Diensteanbieter, die einen Internetzugang nach Absatz 3 geschäftsmäßig oder als öffentliche Einrichtung zur Verfügung stellen, können wegen einer rechtswidrigen Handlung eines Nutzers nicht auf Unterlassung in Anspruch genommen werden, wenn sie zumutbare Maßnahmen ergriffen haben, um eine Rechtsverletzung durch Nutzer zu verhindern. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Diensteanbieter
1. angemessene Sicherungsmaßnahmen durch anerkannte Verschlüsselungsverfahren oder vergleichbare Maßnahmen gegen den unberechtigten Zugriff auf das drahtlose lokale Funknetz durch außenstehende Dritte ergriffen hat und
2. Zugang zum Internet nur dem Nutzer gewährt, der erklärt hat, im Rahmen der Nutzung keine Rechtsverletzungen zu begehen.

Die Passage soll dazu dienen, Leute zu verfolgen, die Kinderpornographisches aus dem Internet saugen, und sowas lässt sich wohl in einem öffentlichen Netz besser an als daheim. Viel Spaß also dabei, wenn die Staatsanwaltschaft auf der Matte steht und Namen wissen will – denn die hat man laut Entwurf zur Sicherheit besser zu kennen, will man nicht haften.

Hierzu
Thomas Stadler: Wie die Fachwelt auf den Gesetzesentwurf zur WLAN-Haftung reagiert

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Neu im Bücherschrank (82): J.K. Rowling – Harry Potter and the Chamber of Secrets

rowlingchamber Dies ist der zweite Teil der Harry-Potter-Reihe und eher so etwas wie ein Bindeglied zwischen dem interessanten ersten und dem düsteren dritten Teil, den ich noch für den besten der ganzen Reihe halte. Das Buch ist schon 17 Jahre alt, selbst die Verfilmung ist 13 Jahre her, daher weiß ich gar nicht, ob sowas noch außerhalb der Reihe gut gelesen werden kann – und ob die Reihe noch neue Fans bekommt.

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Gott 2.0

Manchmal kriegt man auch merkwürdige Post. Bei uns flog z.B. die Pressemitteilung rein, dass ein Ibbenbürener Verlag das Buch „Die Zukunft Gottes“ von Deepak Chopra veröffentlicht hat. Ja, da hüpft unsereins natürlich vor Freude im Dreieck: Eine Buchveröffentlichung im piefigen Ibbenbüren.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Buch ist ganz große Scharlatanerie, das nur dazu geeignet ist, ungebildeten Leuten Kohle aus der Tasche zu ziehen.

Im Kern besteht es aus der Botschaft, die der Autor auch in diesem Video breittritt: Wenn man mal ganz ruhig ist, dann ist man nur noch am existieren, und dann kommt Gott 2.0 um die Ecke:

Was für ein Stuss. Der Autor unterstellt für seine Darlegungen einfach mal, dass Gott existiert, man bräuchte ja nur mal still genug sein. Heisst wohl, wer ihn nicht wahrnimmt, ist einfach nicht still genug. Zudem unterstellt er, Gott wäre die Antwort auf alle unbeantwortbaren Fragen, z.B. wieso denken Menschen logisch? Und in seiner Welt ist Gott nur etwas, was kurzzeitig existiert, manchmal aber schon so ein Zeitalter lang. Woher er dieses Wissen hat? Wahrscheinlich göttliche Eingebung.

Aber wenn nun dieser geheideggerte Gott „Gott 2.0“ ist, wo ist denn Gott 1.0 hin und wer war das überhaupt? Gott 1.0 war das Substitut unerfüllter menschlicher Bedürfnisse: Den Bedürfnissen nach Sicherheit, nach Erfolg, nach Verbundenheit, nach Verständnis, nach Erkenntnisgewinn, nach moralischer Führung und nach Bedürfnisüberwindung. Nun müffelt es etwas, wäre Gott nichts weiter als ein Platzhalter menschlicher Bedürfnisse. Immerhin sei man durch die verworrene Gott 1.0-Version Zeuge der wahren Natur des Göttlichen. Aber die Version hat halt ein paar Bugs, die muss man temporär fixen.

So einen Unfug kann man am besten Amerikanern andrehen und daher arbeitet sich der Autor das ganze Buch über an Richard Dawkins ab – und genauer: nur an dessen Buch Der Gotteswahn, als gäbe es keine anderen Argumentationen, gegen die es sich zu behaupten gilt. Nun ist es in der Tat so, dass Dawkins den argumentativen Fehler begeht, Religion als Ganzes für erledigt zu erklären, indem er religiöse Riten und den Glauben an religiöse Phänomenalität als irrational demaskiert.

Es ist aber ebensolcher Unsinn, den Umstand, Dawkins einen Fehler zu attestieren und die diesem angedichtete Nichtbeantwortung von für Menschen nicht zu beantwortenden Fragen (Warum denken Menschen logisch?), für einen Beleg der Existenz Gottes zu halten.

Man kann somit James P. Cornelio zustimmen:

Dieses Buch ist mit geisttötendem Geschwafel gefüllt, wo Listen mit verschiedenen Eigenschaften (in der Regel sich wiederholende, staubtrockene und eher unklare als einleuchtende) eine durchdachte, begründete Argumentation substituieren sollen.

Und dem Autor ist nur zu wünschen, dass er mal ganz lange ganz ruhig ist.

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Frank Cordes – Lebenslänglich du

Frank Cordes - Lebenslänglich DuDie zweite aktuelle CD eines Ibbenbürener Musik-Acts ist das Debut-Album von Frank Cordes. Das klingt etwas komisch, denn ich habe mir seine erste Single Ende der 90er mal gekauft, aber sei’s drum.

Und etwas muss man Schlager heute auch gleich zu Beginn rechtfertigen: Dass die Texte nicht sonderlich anspruchsvoll sind, musikalisch seicht, ironiefrei und poetisch nicht so umwerfend gehört zum Genre. Wer deswegen der Gattung gleich den Rücken zudreht, hat mein Verständnis. Die Zielgruppe ist halt eher so die WDR4-Hörerschaft. Andererseits hat Helene Fischer derzeit auch ein großes nicht überaltes Publikum gefunden, so ganz liegt das Befürworten des Genres dann wohl nicht an unterirdischen Texten.

Zu Frank Cordes selbst sei noch gesagt, dass er einer der nettesten Tischtennisfamilien des Tecklenburger Landes entstammt, die ich kenne, und daher würde ich sagen, dass er durchaus hinter seinen Texten steht, ohne verlogen zu sein. Das zieht also auch nicht.

Wenn man die zwei Sachen einräumt, kann man der Musik ganz gut begegnen, und Discofox tanzen kann man zu ihr eben auch. Also ran an den Speck:

01. Zum ersten Mal Eingängige, unbeschwerte Popnummer aus dem letzten Jahr. Stimmlich passt der Song und überkandidelt ist er auch nicht so. Guter Aufmacher für das Album.
02. Lebenslänglich du Zu Beginn kündigt sich mal ein etwas schlageruntypischer Song an, was aber durch den Refrain wettgemacht wird. Etwas mehr Mut hätte hier Wunder getan. Überzeugt mich so gar nicht.
03. Du und ich und er und sie Der Aufmacher zum Album ist ein gewagter Mix aus Schlager und aktueller Lebenssituation. Der Refrain ist mit dem Reim „das ganz große Glück“ auf „der Himmel hat euch zu mir geschickt“ nahe am Ausrutschen. Dafür sind die Kiddies im Video ganz putzig.
04. Es ist wieder Sommer Federleichtes Sommerlied ohne Ecken und Kanten im negativen wie im positiven Sinne. Passt Frank Cordes wie ein guter Anzug.
05. Freier Fall Gute Mischung aus Schlager- und Pop-Song ohne textliche Überkandeldierung.
06. Der Morgen mit dir Ziemlich typische Schlagernummer, zu der die Stimme von Frank Cordes, die hier mal die ganz hohen Töne ausspart, ziemlich gut passt.
07. Bis zum Ende der Zeit Guter Popsong an der Grenze zu Singer-Songwriter-Nummern.
08. Durch die Hölle Jetzt gehen wir in Richtung Wolfgang Petry: Gute Popnummer mit gutem Refrain.
09. Weil dein Herz die Wahrheit kennt Seichte, typische Schlagernummer.
10. Patchwork Family (Familie von Null auf Hundert) Wir sind wieder beim Patchwork-Familie-Thema von Lied Nr. 2. Textlich ist das Lied unfallfreier und ebenso realitätsnah.
11. Mein Leben für dich Nette, unaufgeregte Disco-Nummer.
12. Hier ist immer irgendwas los Tja, immer was los in so einer Patchworkfamilie, was? Das Thema ist jetzt auch so langsam durch.
13. Träume haben Flügel Oh, sehr schöne, hymnische Popnummer mit Dudelsack. Passt wunderbar zum Sänger, der wieder am besten klingt, wenn er nicht die ganz hohen Töne anstrebt. Sehr passende Abschlussnummer.
14. You want love Ja, irgendwas war da doch letztes Jahr mit den Drafi-Deutscher-Covern, die Frank Cordes machen wollte. Dieses erste Lied von den Mixed Emotions steht dem Original in Nichts nach.

Fazit: Ich habe mir Schlimmeres unter einem Schlager-Album vorgestellt, gerade was ausgelutschte Reime angeht. Frank Cordes gelingt eine ausgewogene Mischung aus Schlager und Pop-Songs mit wenigen Ausreißern nach unten und ebenso vielen Außreißen nach oben, die aus dem aktuell typischen Schlagertamtam erfrischend gut ausbrechen. Er verkauft seine Zielgruppe nicht für blöd, das rechne ich hoch an. Eine klare Kaufempfehlung für Leute, die WDR4 hören würden und eine Reinhörempfehlung für alle, die deutscher Popmusik eine Chance geben. Nichts für jeden, aber für Einige sehr.

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