Ernst Goldbeck zum IVZ-Bericht über den Vortrag von Manfred Spieker am 21.04. 2015

Ich gehörte am Sonntag zu den Zuhörern des Vortrag von Prof. Spieker, wie die Zeitung richtig berichtet. Im weiteren Verlauf des Artikels kann man lesen, dass die Thesen von Spieker von allen Anwesenden viel Zuspruch und Beifall erhielten. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich stimme den Ausführungen von Prof. Spieker ausdrücklich nicht zu und habe das auch gesagt.

Die Familie ist ein schützenswertes Kollektiv, bis dahin noch kein Widerspruch. Das war jedoch nur ein sehr kleiner Teil des Vortrags.

Insgesamt hätte das, was dann folgte, vielleicht noch in Brautschulen der 50er Jahre und 60er Jahre gepasst, aber nicht aber mehr in das Jahr 2015. Das ist kein Konservatismus was Spieker fordert, das ist Fundamentalismus und wir erleben derzeit weltweit, wohin Fundamentalismus führt.

Wer seinen Postulaten zum Gender Mainstreaming zustimmend applaudiert, muss sich darüber im Klaren sein, dass das einer Ablehnung des Gleichstellungsprozess von Mann und Frau gleichkommt und man z. B. den Frauen, die für gleiche Bezahlung, bei gleicher Beschäftigung kämpfen, in den Rücken fällt.

Die Ausführungen Spiekers zur Ehe an sich und zur rechtlichen Gleichstellung der Ehe von Menschen gleichen Geschlechts, sind mehr als fragwürdig und haben mit einer offenen, aufgeklärten und solidarischen Gesellschaft nichts gemein. Die Ehe, so erklärte mir Professor Spieker, sei in seinem Sinne nur dann eine Ehe, wenn sie die Schaffung von Nachkommen als Ziel habe. Meine Nachfrage, wie er er Paare beurteile, die bewusst oder auch unfreiwillig kinderlos bleiben, kommentierte er mit den Worten: „Das ist dann keine Ehe“.

Für mich bleibt die Feststellung, dass eine Gesellschaft, wie sie Prof. Spieker fordert, ein Rückschritt ist. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass die Mehrheit der Zuhörer so begeistert war, wie es der Zeitungsbericht ausdrückt.

Fazit: Emotionalität vor Sachlichkeit, Appelle an das, was aus meiner Sicht Gott sei Dank längst überwundenen ist, das war wohl die eigentliche Intention des Vortrags von Herrn Prof. Dr. Spieker.

Ernst Goldbeck
Kandidat für die Bürgermeisterwahl 2015
DIE LINKE.

Weiterlesen

Zahlbruder

Kleiner Spaß am Rande zum Thema Qualität der IVZ-Experten: Vor einem halben Jahr bemühte sich ja ein Sparkassen-Mitarbeiter bei einer IVZ-Expertenrunde unwidersprochen, Paypal madig zu machen. Möchte jemand mal raten, wer Paypal jetzt Konkurrenz machen möchte?

Das Handelsblatt zitierte aber schon aus internen Unterlagen, denen zufolge der Dienst „Pay Direkt“ heißen soll und sich mit Leistungen wie Käuferschutz und Zahlungsgarantie für Händler stark an Paypal orientiere.

Weiterlesen

Totgeburt Jugendparlament

Manchmal stinkt der Fisch vom Kopf her, aber wie soll ein toter Fisch so etwas bemerken? Die Jugend in Ibbenbüren sei politikverdrossen, so meint man bei den Parteien. Sie müsse aber zu ihnen, den Parteien, kommen. Man müsse jeden Strohhalm ergreifen, sei darauf angewiesen, Jugendliche mehr an Politik zu beteiligen.

Die politischen Parteien haben den Anschluss an Erwachsene unter 35 Jahren komplett verloren. Das sollte man sich einmal eingestehen. Und darüber sieht es bis in die 50 Jahre auch nicht gerade berauschend aus. Das Problem ist hausgemacht und kein spezifisch jugendliches Problem. Menschen in Ibbenbüren sind parteiverdrossen, politikerverdrossen, nicht politikverdrossen. Und wenn man sich das uninspirierende Untergangsgerede im Zusammenhang mit dem Jugendparlament anhört: Wer kann es ihnen verdenken?

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Eine sachgerechte Analyse der Lage ist damit Voraussetzung. Aber wenn man schon hört, dass man bei der CDU halt das nächste „Projekt Kommunalpolitik“ aus der Schublade holt, der weiß, dass das Projekt Jugendparlament für diese Partei tot ist. Es ist schlicht zu teuer.

Es liegt nicht an den Jugendlichen, es liegt an den Kosten. Schon allein der Wahlgang in Münster für das dortige Jugendparlament kostet mehrere zehntausend Euro. Dazu kommen Personalkosten und Gelder, über die Jugendliche verfügen müssen, denn man wird keine Jugendliche für Kommunalpolitik begeistern können, wenn diese nur Beiwerk sein sollen. Das ist viel Geld für eine Klientelpolitik des immer kleiner werdenden Mittelstandes.

Wer etwas beleben will, muss da ansetzen, wo noch etwas Leben ist.

meint man bei der konservativen Seite der IVZ. Das stimmt, nur geht es genau genommen eben nicht um die Belebung von Politik, die kann an noch vielen anderen Stellen belebt werden und das weitaus günstiger. Es geht um die Belebung von Parteipolitik. Und die ist eben schon ziemlich tot. Doch die unangenehme Wahrheit für die Klagenden ist: Politik geht auch ohne diese Parteien.

Warum die Probleme der Parteien nun allerdings die Stadtverwaltung lösen soll, das erschließt sich wohl nur den Parteien selbst.

Weiterlesen

neu: Ibbtown Forum

Wir basteln gerade wieder mal an kleineren Softwareprojekten und ein Forum schwirrt uns immer wieder mal im Kopf herum. Es erinnert mich auch noch sehr stark an die gute, alte Bnet-Zeit, als man dort Kleinigkeiten im Forum austauschte. Und jetzt kam mir halt eine kleine Software-Lösung unter die Augen, die bislang einen ziemlich stabilen Eindruck hinterlies. Wer mag, darf also gerne mal im Ibbtown Forum vorbeischauen.

Das Forum verfolgt gerade kein Ziel, außer dass ich mal wissen möchte, ob es über einen bestimmten Zeitraum stabil läuft. Und wer weiß, vielleicht kann man das Forum irgendwann mal gut gebrauchen.

Weiterlesen

Vorratsdatenspeicherung anno 2015

Das Thema Datensicherheit ist schon sehr abgenudelt, lapidarer wird es allerdings nicht: Das Bundesinnenministerium und das Bundesjustizministerium haben sich auf die Einführung einer Vorratsdatenspeicherung geeinigt. Ähnliches hatten schon EU und Bundesverfassungsgericht kassiert, aber man kann es ja nochmal versuchen. Deutschland ist auf dem Weg zu einem Präventionsstaat, der alle Bürger unter Generalverdacht stellt:

Gespeichert werden sollen demnach alle an einem Telefonat beteiligten Telefonnummern, das Datum und die Uhrzeit des Gesprächs, bei Mobilgesprächen außerdem die Funkzelle. Wenn es sich um Internet-Telefondienste handelt sollen auch die IP-Adressen protokolliert werden.

Weswegen so ein nächster Überwachungsschritt bedenklich ist, schreibt Sascha Lobo so dahin:

Es geht darum, ob Ihre Tochter noch ein Fleckchen in ihrem durchdigitalisierten Leben haben wird, in dem sie nicht überwacht und damit potenziell auf Konformität überprüft wird. Die Vorratsdatenspeicherung bedeutet ganz konkret: Ihre Tochter wird Angst haben müssen, in der schlimmsten Krisensituation ihres Lebens die Telefon-Hotline der Seelsorge anzurufen. Weil dadurch Datenspuren entstehen könnten, die ihr gesamtes späteres Leben zerstören.

Protestieren gegen die Vorratsdatenspeicherung kann man am 18. April in Bielefeld und am 20. Juni in Berlin.

mehr
heute.de: Der Staat überschreitet eine rote Linie

Weiterlesen