Neu im Bücherschrank (150): Ulrich Wickert – Der Ehrliche ist der Dumme

Der Feuil­leton­predi­ger der 90er wirkt irgend­wann im Buchre­gal dann doch so anges­taubt, dass man ihn aus­sortiert, weil man eh noch ein E-Book dieser Aus­gabe irgend­wo rum­fliegen hat. Wick­ert schreibt sicher­lich süf­fig, entwick­elt aber keine philosophisch hand­feste Basis, von der aus er moral­philoso­phieren kön­nte. So bleibt all dies Gerede ein wohlwol­len­des Tap­pen im Dunkeln.

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Wärme ist kein Marketinggegenstand

Nähe trifft Frei­heit — der Titel der hirnge­frieren­den Idee, man müsse Düs­sel­dorf nur ein neues Mar­ketingim­age ver­schaf­fen, dann stünde die Stadt bess­er da. Wie kommt man nur darauf, so etwas zu glauben? Wenige Tage nach­dem die Stadt sich mit ihrer Aktion einem aus­ruhen­den Senioren für sein Sitzen in einem Bushäuschen ein Straf­man­dat zu ver­passen, meinen Mar­ket­ing­fuzzis, es sei noch nicht nach draußen gelangt, wie her­zlich Düs­sel­dorf doch wäre. Das Düs­sel­dor­fer auch so empfän­den. Wirk­lich? Hat man da mit den Richti­gen gesprochen? Den Ger­ingver­di­enern, die in Düs­sel­dorf arbeit­en, sich aber die Miete kaum noch leis­ten kön­nen. Den­jeni­gen, die alle Miet­mis­stände ertra­gen, in der Angst, keine alter­na­tive Woh­nung in der Umge­bung mehr zu bekom­men, weil die Mieten so steigen, dass auch Rumpel­bu­den augen­brauen­hochziehende Preise erk­lim­men?
Düs­sel­dorf ist keine beson­dere Großs­tadt. Sie funkelt auch nicht, wie Hen­ri­ette Rek­er es nett, aber unzutr­e­f­fend for­muliert hat. Die uri­gen Geschicht­en über die Wesen­sart Düs­sel­dorfs, sie sind anges­taubt. Man muss die Tour de France einkaufen, weil man sich nur noch im Glanze Ander­er als leuch­t­end betra­cht­en kann.
Hier gibt es nette, aufgeschlossene Men­schen, keine Frage. Aber die gibt es anders wo auch. Es gilt nach wie vor, was Man­ni Breuck­mann mal meinte, als er gefragt wurde, ob er sich nach so vie­len Jahren in Düs­sel­dorf noch als West­fale betra­chte: “Düs­sel­dor­fer wirst du nicht.”
Das ist auch alles nicht schlimm, nur lässt sich auf der tat­säch­lichen Grund­lage schon lange kein Haus mehr bauen. Man ver­grämt höch­stens noch die Nach­barn und macht sich mit solchem Mar­ket­ing lächer­lich, weil man vom Kopf her ste­hen in längst ver­gan­genen Zeit­en ste­henge­blieben ist.

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