Wärme ist kein Marketinggegenstand

Nähe trifft Freiheit – der Titel der hirngefrierenden Idee, man müsse Düsseldorf nur ein neues Marketingimage verschaffen, dann stünde die Stadt besser da. Wie kommt man nur darauf, so etwas zu glauben? Wenige Tage nachdem die Stadt sich mit ihrer Aktion einem ausruhenden Senioren für sein Sitzen in einem Bushäuschen ein Strafmandat zu verpassen, meinen Marketingfuzzis, es sei noch nicht nach draußen gelangt, wie herzlich Düsseldorf doch wäre. Das Düsseldorfer auch so empfänden. Wirklich? Hat man da mit den Richtigen gesprochen? Den Geringverdienern, die in Düsseldorf arbeiten, sich aber die Miete kaum noch leisten können. Denjenigen, die alle Mietmisstände ertragen, in der Angst, keine alternative Wohnung in der Umgebung mehr zu bekommen, weil die Mieten so steigen, dass auch Rumpelbuden augenbrauenhochziehende Preise erklimmen?
Düsseldorf ist keine besondere Großstadt. Sie funkelt auch nicht, wie Henriette Reker es nett, aber unzutreffend formuliert hat. Die urigen Geschichten über die Wesensart Düsseldorfs, sie sind angestaubt. Man muss die Tour de France einkaufen, weil man sich nur noch im Glanze Anderer als leuchtend betrachten kann.
Hier gibt es nette, aufgeschlossene Menschen, keine Frage. Aber die gibt es anders wo auch. Es gilt nach wie vor, was Manni Breuckmann mal meinte, als er gefragt wurde, ob er sich nach so vielen Jahren in Düsseldorf noch als Westfale betrachte: „Düsseldorfer wirst du nicht.“
Das ist auch alles nicht schlimm, nur lässt sich auf der tatsächlichen Grundlage schon lange kein Haus mehr bauen. Man vergrämt höchstens noch die Nachbarn und macht sich mit solchem Marketing lächerlich, weil man vom Kopf her stehen in längst vergangenen Zeiten stehengeblieben ist.

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