Neu im Bücherschrank(18): Nikolai Gogol – Die toten Seelen

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Und wieder zog es uns im Auftrag des guten Geschmacks an den Bücherschrank. Dieses Mal mit einem Klassiker der russischen Literatur, der jedem Russen bekannt sein dürfte: „Die Toten Seelen“ von Nikolai Gogol.

Zur Handlung: Pawel Tschitschikov wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und arbeitet sich mit viel Fleiß im büroktratischem Russland hoch. Nachdem er wegen Korruption zum Fall gebracht wird, arbeitet er an seinem Aufstieg, in dem er mit toten Leibeigenen, im damaligem Russland „Seelen“ genannt, handelt.

Die Komödie um Betrug, Korruption der Behörden, menschliche Gier und Unbelehrbarkeit könnte aus der heutigen Zeit stammen. Mit satirisch fein überzeichneten Charakteren kritisiert Gogol die Missstände des post-napoleonischen Russlands.

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Neu im Bücherschrank(16): Helen Fiedling – Bridget Jones & Schokolade zum Frühstück

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Bridget Jones ist eine übertieben tolpatschig dargestellte Engländerin, die selbst mit Anfang dreißig durch ihre Unbeholfenheit jede 17jähirge erblassen lässt. Das Lesen der Schmöker ist eine Mischung aus Mitleid und Fremdschämen, aber dennoch unterhaltsam.Wer sich da versucht wieder zu finden, der tut mir leid.

Das Buch ist leider etwas in Verruf geraden, als es 2001 verfilmt wurde. Während ich mir beim Lesen die Hauptfigur als eine durchschnittliche Frau, die sich von einer Pralinen und 100 Zigaretten am Tag ernährt und dabei trotzdem ständig über ihr Gewicht jammer,t vorstellte, wurde die Hauptdarstellerin nicht müde stets zu erwähnen, wie schwierig die Rolle doch war, da sich dafür soooooooo viel zunehmen musste. Zu allem Überfluss wurde sie für ihre Tapferkeit von den Medien gelobt. Da wird mal wieder die Kluft zwischen Realität und Fiktion bewusst, als normale Frau ist man nur fett und lächerlich.

Wer nach anspruchsvoller Literatur sucht, ist hier eindeutig falsch. Wer allerdings einfach nur unterhalten werden und einfach nur lachen will, dem kann ich die Schmöker empfehlen.

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Neu im Bücherschrank(14): A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada – Bhakti Yoga

Tja, man soll halt nicht immer alles glauben, was die Leute auf der Straße so von sich geben. Beim anderen Bücherschrank Düsseldorfs schnappte ich ja auf, dass der am Friedensplätzchen nur Schrott enthalte. Weit gefehlt. Auch diesem Bücherschrank sieht man an, das belesene Menschen ihn bevölkern: Meinem Blick entgingen nicht Bruno Apitz‘ Nackt unter Wölfen, Antal Szerbs Reise im Mondlicht, André Glucksmanns Der Stachel der Liebe sowie Fjodor Dostojewskijs Der Spieler.

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Weil ich aber doch unter dem Eindruck stand, bei einem abgelegenen Bücherschrank könnte auch eher Schrott erwartet werden, brachte ich etwas Friedvolles, aber Belangloses zum Friedensplätzchen: A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada – Bhakti-Yoga. Ein doch eher merkwürdig zerfaselter Schinken mit Weisheiten wie:

Die Seele ist ein winziges, unsichtbares Teilchen des Körpers.

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Neu im Bücherschrank(13): Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse

Neuerung! Die 13 soll nun mal Glück bringen, es ist das erste Buch, das woanders, und zwar im Bücherschrank am Rheinufer in Düsseldorf, eingestellt wurde.

Um den dortigen Bücherschrank geht es naturgemäß munterer zu, denn er steht an einem vielbesuchtem Ort. Auch die Qualität der Bücher ist eine andere, es sind Bücher inimage – sagen wir mal – gebrauchterem Zustand dort zu besichtigen, aber auch tiefgehendere. Bücher von Theodor Adorno und Horst-Eberhard Richter habe ich in Ibbenbüren noch nicht stehen sehen. Dafür sahen sie aber auch so aus, dass ich sie habe stehen lassen.

Vor mir interessierte sich eine Familie für Gretchen Sackmeier von von Christine Nöstlinger und bekam von gegenüber gleich den Hinweis, dass das Buch ungemein unterhaltsam sei. Gespräche über Literatur gehen demnach dort zeimlich ungezwungen und direkt von statten. Dagegen gäbe es beim Bücherschrank am Friedensplätzchen in Düsseldorf nur Schrott, wie ich von irgendwoher aufschnappte.

Vor mir stellte dann jemand an die 20 Bücher ins Regal, da war ich erstmal baff und dachte, unsereins mit nur einem Buch, könne da nicht gegen anstinken. Aber was immer er da reingestellt hat, es war wohl eher ein Akt des Bücherloswerdens, denn Interessantes war hinterher an der Stelle nicht zu sehen. Erstes Ausstellungsstück unsererseits ist Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Struck. Tati war wenig begeistert von dem Buch, ich habe es irgendwann mal angelesen, war aber auch nicht nachhaltig beeindruckt. Möge es in verständnisvollere Hände wandern.

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Körperpatt

Vor einiger Zeit habe ich mal festgehalten, was bei uns im Münsterland so für eingängige Idiome tagtäglich zur Anwendung kommen. Heute bin ich unterwegs auch in Düsseldorf auf so eine sprachliche Eigenart gestoßen, die ich bislang nicht kannte. Da rannten zwei kauzige Typen mir entgegen und der eine meint zum anderen:

Da machste dann nichts mehr. Da macht dein Körper patt.

Irgendwas macht der Körper wohl und nicht so wie gewünscht. Man hat wohl keinen Zugriff auf ihn, wie Fussballkommentatoren sagen würden. Ob sich der Körper hier aber eigenständig eine Auszeit nimmt oder ob er in einer bestimmten Situation durch Aktionsverweigerung Vorsicht walten lässt – das war dem Gespräch nicht zu entnehmen.

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Eugen Popoklatsch

Das ist Eugen Popoklatsch. Eugen war der erfolgloseste Aktentaschenträger aller Zeiten. Seine eigentliche Leidenschaft war das Popoklatschen. Deswegen hatte Eugen eine Hand stets frei, falls ein Popo zum klatschen in der Nähe war.

Er ist letztes Jahr verstorben, als er versuchte den Popo eines Nielpferdes zu klatschen im Duisburger Zoo. Beim Versuch aus dem Gehäge zu fliehen, rutsche er auf einer Bananenschale aus und wurde von seinem Aktenkoffer erschlagen.

Heute steht das Denkmal von Eugen Popoklatsch an der Rheinprominade direkt neben dem Fortunabüdchen, wo es stets ne Bockwurst und nen Alt für zwofuffzich gibt.

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Landeshauptstadtblog

… oder so ähnlich sollte der erste Blogversuch aus Düsseldorf unsererseits lauten. Irgendwie wurde nie etwas draus außer einer Bildergallerie. Die vorinstallierten WordPress-Blogs sind dann doch ab und an zu weit weg von der eigenen Art, das Internet zu nutzen.

Es lässt sich ja doch sagen, dass unsereins irgendwie noch nicht fertig ist mit dieser Stadt. Für nichtrheinländische Nordrhein-Westfalen ist die Landeshauptstadt ja irgendwie kein sonderlich beschriebenes Blatt. Schuldenfrei, imagefrei und irgendwie uninspirierend. Aber Museen gibt es einige, deswegen kann man da hin fahren. Die Kö? Spätestens, wenn Hasi und Mausi da hin kommt, lockt die Straße kaum noch jemanden aus der Reserve.

Schön ist Düsseldorf nicht
, wenn man Kunstkennern diese Einschätzung abnehmen möchte. Warum wohnen dann doch so viele Menschen da? Was hält sie? Was zieht sie dorthin? Vielleicht werden diese oder ganz andere Antworten durch dieses Korrespondenzblog beantwortet. Man wird sehen.

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Gebrochen deutsch, Düsseldorfer Schauspielhaus, 23.1.2014

Ges­tern waren wir bei der zwei­ten Talk­runde von Staf­fan Val­de­mar Holm mit Vom Rit­chie (Groß­bri­tan­nien, Schlag­zeu­ger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jastram (Japan, Musik-Lehrerin), Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kah­kash (Iran, Büdchen-Inhaber) dar­über, wie man in Düs­sel­dorf stran­det und wieso man es inzwi­schen mag. Das For­mat ist sowas wie ein Selbst­läu­fer. Man bekommt schwere wie auch lus­tige Geschich­ten über die Auf­brü­che in die Fremde zu hören. Man lernt lebens­lus­tige Men­schen ken­nen, an denen man sonst viel­leicht ein­fach nur vor­bei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düs­sel­dorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publi­kum kam die ver­suchte Erklä­rung: “Clau­dia Schif­fer.”, wor­auf­hin Holm meinte: “Das kann es nicht sein.”

Viel­leicht gibt es nicht sol­che Gründe, viel­leicht gibt es nur die geleb­ten Erfah­run­gen, die alle Gäste vor­zu­wei­sen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höf­lich wie offen sind, wenn es um die Geschich­ten der ande­ren geht. Vom Rit­chie erzählt, wie er mit sei­ner Locker­heit stu­ren Münch­ner Poli­zis­ten begeg­net, die seine abge­lau­fene Auf­ent­halts­er­laub­nis mit “Scheiße, Scheiße, Scheiße” kom­men­tie­ren. Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner beschreibt, wie sie ohne irgend­wie deutsch zu kön­nen nach Deutsch­land kommt, und dort ihr ers­tes Date mit einem Taschen­wör­ter­buch bewäl­tigt. Kyoko Jastram erzählt über die musi­ka­li­sche Größe Deutsch­lands, die vor Ort doch etwas anders aus­sieht. Und Iraj Farzi Kah­kash berich­tet dar­über, wie er im Iran die Revo­lu­ti­ons­be­stre­bun­gen unter­stützt hat, Krieg mit­er­lebt hat und schließ­lich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleu­ser in West-Berlin aus­ge­setzt wird – ohne die Spra­che zu kön­nen oder irgend­je­man­den zu ken­nen.

Also ein ganz groß­ar­ti­ges For­mat, das Holm da aus dem Ärmel geschüt­telt hat, und bei dem an die­sem Abend auf­fiel, dass weder der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Inte­gra­tion” ein ein­zi­ges Mal gefal­len ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düs­sel­dor­fer Publi­kum das Klat­schen bei­zu­brin­gen, ist ihm ein Denk­mal sicher.

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