Zitate für Dummies

Heute griff ich mal wieder zum Käseblatt und da fiel mir dieses Zitat in die Augen:

„Wenn zwei Menschen immer dasselbe denken, ist einer von ihnen überflüssig.“

Winston Churchill (1874 – 1965), britischer Politiker und Nobelpreisträger

Wissen Sie, was dieses Zitat mit dem Zitat „Ich bin ein Berliner“ gemein hat? Beide stammen nicht von Winston Churchill. Zumindest nicht nachweislich. Auch online habe ich auf englischsprachigen Seiten keinen Hinweis gefunden, der beides miteinander belegt in Verbindung bringt. Auf deutschen Internetseiten ist diese Kombination wesentlich verbreiteter. Andererseits wird er auch Albert Einstein untergejubelt .

Der Satz stammt wohl eher aus dem American Magazine und lautet 1931 im Original:

When two men in business always agree, one of them is unnecessary.

das wiederum vom Zitat

If the two records substantially agree, one is uneccessary

aus dem Jahr 1884 abstammen könnte. Der Erbauer des Schlosses Elmau, Johannes Müller, soll auch sowas gesagt haben. Das wäre alles dichter dran als Churchill. Wahrscheinlich wird es auch noch frühere Sinnsprüche über Identität geben, die entsprechend zu lesen sind.

Früher hat man ja durch Zitieren seine Belesenheit zur Schau gestellt, was auch schon albern war. Heute kann man dadurch auch gut seine Unbelesenheit zur Schau stellen. Man weiß eben nicht, von wem so ein Zitat kommt oder nicht kommt. Kann schon sein, dass Churchill das irgendwann mal gesagt hat. Wer will das genauestens widerlegen?

Zumindest bei Käseblättern scheint es mir so zu sein, dass niemand mehr so recht daran interessiert ist, wie verlässlich das ist, was man so druckt, wenn es eh keinen interessiert und niemand einen prüfenden Blick darauf wirft.

Denn gestern gab es beim Käseblatt dasselbe Spiel:

„Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“

Charlie Chaplin (1889–1977), britischer Komiker, Schauspieler, Regisseur, Komponist und Produzent

Warum nicht mal Willy Brandt? Das wäre doch mal ausgefallener, wenn man sich eh nicht um den tatsächlichen Autor bemüht. Das angebliche Zitat scheint mir aus derselben im Netz gefundenen Zitatdatenbank zu stammen. Es wird Chaplin oft im Internet ohne irgendeinen Beleg zugeschrieben, stammt aber wohl eher von Nicolas Chamfort aus dem 18. Jahrhundert und lautet:

La plus perdue de toutes les journées est celle où l’on n’a pas ri.

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Bundestagscopyundpaste

Mir hat mal jemand von der SPD erzählt, ich solle das mit der Meinungsfindung von Mandatsträgern bloß nicht zu ernst nehmen. Das verhalte sich so: Da kommt morgens ein Fax rein und dann weiß man, was für eine Meinung man zu haben hat.

Dieter Jasper war mal so freundlich und hat quasi genau so ein Fax online gestellt – und seinen Namen drunter gesetzt. Als ob er da irgendwas dran geschrieben hätte. Andere bemühen sich da wenigstens etwas.

Das richtig Peinliche an dieser Erklärung ist, dass ganze Sätze aus der Erklärung der Grünen zum Antrag gegen die Wasserprivatisierung übernommen werden, wobei die CDU gegen diesen Antrag stimmt – auch wenn man natürlich inhaltlich gänzlich dafür ist. Die geben sich nicht einmal mehr Mühe beim Wählerverarschen.

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Wie die IVZ Plagiate einbaut

Angeblich befürwortet auch die IVZ das Leistungsschutzrecht für Presseverleger, wobei ich nicht weiß, worauf diese Liste beruht. Dazu will nicht ganz passen, wie die IVZ scheinbar online Plagiate als eigene Qualitätsarbeit kennzeichnet.

Gestern brachte die IVZ online diesen Artikel über einen randalierenden Jugendlichen in der Innenstadt von Ibbenbüren auf ihrer Internetseite, gut platziert im Bilderwechselrahmen. Unter dem Artikel wird zwar kein Autor angegeben, dafür ist zu lesen

Dieser Beitrag in IVZ-aktuell ist ein Produkt der IVZ-Redaktion.

Falls Sie nun darunter verstehen, dass irgendein Satz in diesem Beitrag von jemandem in der IVZ-Redaktion geschrieben wurde: Pustekuchen. Offensichtlich stammt der Text vom Presseportal der Polizei Steinfurt und ist hier zu finden. Dieser Beitrag ist wohl eher ein Produkt von Copy & Paste.

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Summa cum copy and paste

Nein, der Herr Guttenberg wird kein zweiter Dieter Jasper.

Im Gegensatz zur Uni Teufen ist die Uni Bayreuth tatsächlich das, was man unter einer Uni versteht. Ich hab’s nachgeguckt. Aber wie bei Jasper müsste Guttenberg vorsätzlicher Betrug vorgeworfen werden können, damit ihm die Doktorwürde entzogen wird.

Zwar ist ganz offensichtlich, dass ganze Textpassagen in Guttenbergs Doktorarbeit putzigerweise zuerst als Texte anderer Autoren in anderen Publikationen veröffentlicht worden sind, zwar sind diese Textstellen weder durch Fußnoten noch durch Anführungsstriche als Zitate gekennzeichnet und zwar hat der Leser den Eindruck, diese Textpassagen seien Stellungnahmen Guttenbergs.

Aber Konsequenzen wird das keine geben. Das ist halt akademische Schusseligkeit. Da lagen halt dutzende von Zetteln vor einem und irgendwann wusste man nicht mehr, ob das da auf dem Zettel der eigene Gedanke oder ein fremder war.

Vorsätzliches Handeln wird man Guttenberg nicht nachweisen können. Konnte man bei Dieter Jasper auch nicht. Der hat das bei sich nicht schusselig genannt, sondern dämlich.

Wenn dagegen kleine Angestellte sich mit liegen gelassenen Pfandflaschen und abgestandenen Brötchen im Gegenwert weniger Cents bereichern, dann ist das vorsätzlicher Vertrauensmissbrauch. Mit schusselig oder dämlich können Sie sich da nicht rausreden. Da braucht man in Deutschland Abitur für.

Aktualisierung
Der STERN zieht übrigens auch die Parallele zu Jasper. Wat’n Zufall.

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