Multichannelaktivgedanken

Endlich mal wieder Experten im Käseblatt! Heute soll Internetkompetenz vorgegaukelt werden, na denn mal los: Wie schaut’s denn aus mit den Internetaktivitäten von Firmen in Ibbenbüren?

Für Korte und Geografin Laura Bednarowicz, für deren Bachelorarbeit über die digitale Präsenz in Innenstädten die Erhebung im vergangenen März entstand, ist nicht alles gut.

Nicht alles gut? Na, macht jemand mit beim Trinkspiel: Für jeden Bullshit-Satz einen heben?

Besagtes Potenzial muss nicht immer gleich der Onlineshop sein, sagt Korte. „Und es muss nicht jeder alles anbieten“, ergänzt Bednarowicz.

Heppa!

„Aber ich muss da sein, wo meine Zielgruppe ist“, sagt Korte.

Deswegen liefert McDonald’s auch nach Hause. Heppa!

Korte warnt davor, soziale Medien zu unterschätzen: „Wer in den wichtigen Netzwerken wie Facebook oder Instagram nicht aktiv oder im Internet gar nicht auffindbar ist, wird es zukünftig noch schwerer haben.“

Der digitale Getränkemarkt, der ist sowas von am Kommen: Heppa!

„Wer (…) in Zukunft weiterhin am Markt bestehen will, muss sich aktiv Gedanken über seine Multi-Channel-Strategie machen.“

Aktivdenken und Multivitaminchanneln gilt für zwei: Heppa! Heppa!

Auch hätten viele Unternehmen in Ibbenbüren das Potenzial der sozialen Netzwerke noch nicht für sich erkannt.

Heppsala!

„Gastro-Betriebe sollten sich ihrer steigenden Bedeutung für die City bewusst werden.“

Kann Bedeutung überhaupt steigen? Egal: Heppa!

64% der Dienstleister haben keinen Instagram-Account, keine Rede davon, wer diesen auch pflegt:

„Haben das Potenzial von Instagram erkannt.“

Ja, wer solche Experten zur Hand hat, die lieber Hohlphrasen und Buzz-Words absondern, anstatt irgendeine verständliche Erklärung zu liefern, der sollte selbst nicht vor bodenlosen Analysen zurückschrecken:

Denn dass Boris Becker uns in einem Werbespot überrascht mitteilte, er sei „drin“, ist bereits 20 Jahre her. Dass man nun, 2019, konstatieren muss, dass je nach digitaler Plattform, mindestens jeder dritte regional tätige Innenstadtbetrieb in Ibbenbüren noch nicht „drin“ ist, kann sich zum Problem auswachsen. Denn: In der fortschreitenden Transformation des Handels ins Digitale könnten diejenigen, die nicht „drin“ sind, schnell die werden, die bald „weg“ sind.

Gönau! Entweder das oder sie bleiben! Hepschala! Boris Becker ging damals über AOL rein. AOL ist als Internetzugangsanbieter seit 2007 „weg“.

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Zitate für Dummies (17)

Alten Dichtern kann man auch jeden Blödsinn andichten, wie heute in der Lokalpresse:

„Frauen und Suppen soll man nie warten lassen, sonst werden sie kalt.“

William Shakespeare (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter

Horst Lichter wäre näher dran gewesen. Ein Begriff, der in Shakespeares Werk nicht vorkommt: Suppe.

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Zitate für Dummies (16)

Auch heute wieder ein irgendwoher blind kopiertes, angebliches Zitat in der IVZ:

„Kräfte lassen sich nicht mitteilen, sondern nur wecken.“

Georg Büchner (1813 – 1837), deutscher Anatom, Dramatiker, Lustspielautor und Novellist

Korrekt als Zitat(!) in „Kraft und Stoff“ von Ludwig Büchner (Verlag der Contumax GmbH & Co. KG, Berlin 2016, S.8):

Deswegen lassen sich auch, wie Mulder richtig auseinandersetzt, Krafte nicht mitteilen, sondern nur wecken. Magnetismus kann nicht, wie es wohl scheinen möchte, übertragen, sondern nur hervorgerufen, aufgeschlossen werden dadurch, daß wir die Aggregatszustände seines Mediums ändern.

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Die Süddeutsche Zeitung über die IVZ

Popcorn! Wenn Zeitungen über Zeitungen schreiben, ist das meist eher von Wohlwollen als von kritischer Analyse geprägt. Und so klar es ist, dass die IVZ sich wandeln muss, will sie überleben, so skuril ist es, wenn in Worte gefasst wird, was abgehen soll. In der Süddeutschen Zeitung liest sich das so:

Verleger Klaus Rieping nimmt an, dass sein Produkt noch etwa die Hälfte der Menschen im Tecklenburger Land erreicht.

Wirklich? Laut Wikipedia leben Ende 2015 im Tecklenburger Land 173.879 Menschen, das wären dann 86.939 Leser am Tag. 63.000 Leute im Tecklenburger Land wohnen da, wo keine IVZ erhältlich ist, und über deren Lokalgeschehen auch nicht berichtet wird. Im Grunde liest wohl jeder, der lesen kann, im Verbreitungsgebiet der IVZ die IVZ. Respekt!

Das Konzept, das auf eine Idee von Klaus Rieping selbst zurückgeht, ist simpel: Statt ein Komplettabo für stolze 38,90 Euro im Monat zu buchen, können die Menschen für je drei Euro im Monat einzelne Themenfelder abonnieren

Wenn die Autorin das schon für einen stolzen Preis ansieht, hat sie wohl den aktuellen Preis irgendwie übersehen. Die IVZ-Schreiber

haben Order, sich tiefer in ihre Fachgebiete einzuarbeiten als bisher möglich und ihre Leser stärker einzubinden – etwa in Form von Aufrufen oder Veranstaltungen.

Was denn für Veranstaltungen? Die, die es sowieso schon gibt? Und zu denen wird dann aufgerufen? Als wäre da irgendjemand, dem die Leser folgten. Abgekehrt ist Klaus Ripeing vom Gedanken, „heimliche Mitleser“ der IVZ zu akzeptieren und darauf zu warten,

dass sie irgendwann nicht anders können, als dafür zu bezahlen.

und möchte

die Lücke nach und nach schließen, pro Nutzer nur noch einen Zugang ermöglichen und aus heimlichen Mitlesern „Themenwelt“-Kunden machen.

– wie immer das auch aussehen mag. Verlieren jetzt die Leute, die man mit Kaffeebechern geködert hat, ihre Zugänge?

Jetzt könnte man fragen, was so bahnbrechend daran sein soll, herkömmliche Nachrichten nach Themen gebündelt im Netz anzubieten.

Röchtööööch. Könnte man fragen, wenn sich die Frage nicht schon so selbst beantwortet hätte, dass man kein Fragezeichen setzt. Allerdings meint die Autorin:

weil es den Lokaljournalismus verändert – weg vom Generalistentum, hin zu mehr Tiefe.

Sie hat definitv noch keine IVZ in der Hand gehabt.

die Versuche, Partner für das Online-Wagnis zu gewinnen, blieben ergebnislos. „Wenn jemand eine bessere Idee hat“, meint Klaus Rieping, „soll er sie mir sagen.“

Kritischer Journalismus. Ernsthaft. Das eigentliche Problem ist nicht die Verpackung, sondern dass zu viele potentielle Leser die Berichterstattung der IVZ für verzichtbar halten, weil sie sie nicht angeht. Bis auf weiteres aber

versuchen sich die Ibbenbürener Zeitungsmacher eben selbst als Pioniere.

Zumindest bei der Frage, wie teuer so ein Zeitungsabo werden kann. Inzischen ist ein IVZ-Abo schon 5€ im Monat teuerer als eins der WN.

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Hochoffiziell

POPCORN! Auf der Suche nach neuen Themen macht das Lokalblatt jetzt Internetseitenkontrolle: Ein Musikschullehrer hat auf seiner privaten Internetseite Videos eingestellt, in denen Politiker der AfD zu Wort kommen. So weit, so vollständig von der Meinungsfreiheit gedeckt: Man darf strunzdämliches Zeug auf seiner eigenen Internetseite veröffentlichen ✓. Die Zeitung stellt ihn dennoch an den Pranger – jetzt, wo der Nachbar keine Werbung mehr schaltet, kann man auch endlich mal gegen die AfD holzen. Wo ist also für die Zeitung, die kein Problem mit ihrem Karikaturisten hat, der Casus Knaxus?

Perfide wird es aber, wenn Till unter dem hochoffiziell klingenden Namen „Musikschule Recke“ Botschaften vom rechten Rand verbreitet.

Ah, „hochoffiziell“ – das klingt ja schon höchst verdächtig. Nur klingt der Name nicht nur hochoffziell „Musikschule Recke“, er ist es auch. Der Begriff Musikschule ist in Deutschland außer in Bayern für jeden frei verwendbar ✓.

Eltern, Kinder und Jugendliche erwarten hier Informationen über Instrumentalunterricht, aber sicher keine Politpropaganda.

JA, DENKT DENN KEINER AN DIE KINDER? Weil man mit billigem Populismus nicht alleine da stehen will, holt man sich den Bürgermeister von Recke und den Vorsitzenden des Kulturvereins von Recke ins Boot:

Kellermeier findet ebenso wie Rücker, dass politische Inhalte auf einer Musikschule-Homepage „absolut nichts verloren haben“.

Sie hätten auch sagen können, sie finden, das Autos auf Straßen absolut nichts verloren haben, das hätte dieselbe Aussagekraft gehabt. Der Kulturpreis des Kulturvereins ging übrigens 2017 laut dessen Internetseite, die sich hauptsächlich um die Schule für Musik dreht, an

Martin Stroot für sein Lebenswerk der Kulturförderung in der Kommunalpolitik in Recke und im Kreis Steinfurt.

Schnöff tä-tääääääääääääääääääää!

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Das Medium Magazin über die IVZ

POPCORN! Das Medium Magazin hat in Person der Journalistin Senta Krasser der Ibbenbürener Volkszeitung einen Besuch (Anreißertext) abgestattet und sich über die neue Internetseite ivz-themenwelten.de informiert. Neben einer erwartbar übertriebenen Selbstlobhudelei kommen auch Zwischentöne durch.

Seit Wochen rätseln diejenigen in Ibbenbüren, die es interessiert, was die IVZ mit der neuen Internetseite überhaupt will: Ein Großteil der Texte, die auf der bisherigen Internetseite zu sehen sind, finden sich auf andere Kategorien auf dieser neuen Seite verteilt, abonnierbar für 3€ pro Kategorie. Ohne Erklärung fehlen allerdings auch einige Rubriken der Tageszeitung. Grund genug, dass mal wer nachfragt.

„Glück auf!“, ruft Klaus Rieping, als er die Redaktionsräume der „Ibbenbürener Volkszeitung“ betritt (…) und seinen Gast nun durch sein Reich führt. „Glück auf!“, schallt es unisono zurück. Glück – für was eigentlich? Der Bergmannsgruß gehört im Revier zur alltäglichen Willkommenskultur.
Äh, in Ibbenbüren? „Glück auf“ sagt man hier so oft wie man „Quiekpiep“ zu Karneval ruft. Aber Respekt: Dass der Geschäftsführer die Mitarbeiter der IVZ als eine Art Potemkinsche Redaktion vorführt, das hat schon was. Optimismus zu verbreiten klingt dann so:
„Euer monatlicher Gehaltsscheck hängt davon ab, dass dieses Projekt erfolgreich ist.“
Stimmung! Spätestens jetzt wird sich der letzte Redakteur die Projektseite angeschaut und gefragt haben, wieso er noch nicht die Füße in die Hände genommen hat. Auch sonst ist das Klima für die Redakteure nicht gerade gemütlich:
„Das Tracking wird uns sagen, was gelesen wird und was nicht. Das kann natürlich harte Botschaften an die Redaktion aussenden: Da habe ich mich ganz lange mit einem Thema beschäftigt und kein Mensch liest’s. Was mache ich falsch?“
Du publizierst in der IVZ, würde ich sagen, da sind Klicks wichtiger als Qualität. Der Geschäftsführer dagegen fühlt sich pudelwohl im Gottmodus über Redaktion und Innenstadtmonitore:
Wenn er wollte, könnte er jetzt auf gleich per Knopfdruck Botschaften in die Stadt hinaussenden, „der Bürgermeister ist doof“ zum Beispiel.
Man kann von der Selbstdarstellung des Bürgermeisters sicherlich geteilter Meinung sein, aber immerhin hat der sich nicht eigene Zitate ins Rathaus tackern lassen:
Im Treppenaufgang des alten Pressehauses hängt hinter Plexiglas noch so ein Rieping’scher Hammersatz: „Viele finden ihre Inhalte wertvoll, weil sie interessieren sollen, und nicht, weil sie wirklich nachgefragt werden …“

Tja, dann sollte der Geschäftsführer vielleicht künftig mehr Werbetexter und weniger Journalisten einstellen. Die Nachfrage dieses wertvollen Hammersatzes war allerdings eher lau:

Die Mitarbeiter, not amused, haben reagiert (…): „Weil die Leser jetzt ein anderes Gerät [das Smartphone] nutzen, wollen sie plötzlich ganz andere Sachen lesen?! Das glaube ich kaum …“

Passend dazu meint der „Wirtschafts-„Kapitän“ Peter Henrichmann-Roock“ über die Projektseite:
„Die ohnehin vorhandenen Inhalte werden einfach in einem weiteren Kanal verkauft.
Prost! – Nein, ich meine: Genau! Es ist nicht mal ein neuer Kanal, nur ein weiterer. Und schon bei den alten Kanälen ist es laut IVZ so, dass ein Viertel bis ein Drittel der Leser die IVZ „digital illegal“ liest. Wenn man sich die veröffentlichten Nutzerzahlen der IVZ anschaut, sind das umgerechnet in etwa 300 Nutzer am Tag. Würden die jetzt alle ein komplettes Online-Abo kaufen, hätte man 4500€ im Monat, wobei jeder herkömliche Abonnent, der umschwingt, einen Schuss ins Knie bedeutet.

Und dann wäre da ja noch das Problem, dass ein Online-Abo problemlos durch mehrere Nutzer verwendet werden kann. Gegen „illegale“ Nutzer geht man bei der IVZ aber nicht vor. Der Geschäftsführer möchte,

„dass die Leute eine Nähe zum Produkt entwickeln können, so dass sie irgendwann nicht anders können, als dafür zu bezahlen. Kluge Köpfe bei Microsoft haben das schon vor vielen Jahren erkannt. Heute möchte niemand auf Windows verzichten. Wenn ich diesen Punkt auch mit den ,Themenwelten‘ erreichen könnte, dann haben wir gewonnen.“
Das müssen dieselben klugen Köpfe gewesen sein, die die Etablierung von Windows auf Smartphones verbockt haben. Vielleicht wartet man also einfach ein paar Jahre ab bis der Geschäftsführer in Rente geht, und versucht dann den Kahn zu retten.
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Zitate für Dummies (14)

Der Hang der IVZ zu frei erfundener Kitschprosa ist ungebrochen:

„Drei Dinge helfen, die Mühen des Lebens zu tragen: die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“

Immanuel Kant (1724 – 1804), deutscher Philosoph der Aufklärung

Ein Wort, das in Kants gesammelten Werken an keiner Stelle vorkommt: Mühen.

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